Casio R-11

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Casio R-11

Der Casio R-11 ist ein 12-stelliger druckender Tischrechner mit Panaplex-Leuchtanzeige. Mein Exemplar ist von 1973 und neben meinem Sharp CS-824 der älteste druckende Rechner mit Anzeige in meiner Sammlung und auch der einzige mit Panaplex-Anzeige.

Der R-11 ist jedoch nicht der erste Casio mit Druckwerk und Anzeige, denn zuvor hat es schon die Modelle R-3 und R-5 gegeben. Letzterer kann als Vorgänger des R-11 betrachtet werden, denn der R-3 hat eine Wurzelfunktion, die beim R-5 und R-11 fehlt.

Casio scheint es übrigens mit seinen Modellbezeichnungen nicht sehr genau zu nehmen, anders als etwa Sharp, wo verschiedene Produktgruppen klar getrennt sind. So gibt es eine 1976, also nur wenige Jahre später erschienene Casio-Armbanduhr, die ebenfalls R-11 heißt.

Ausstattung

Dass die Anzeigeelektronik des R-11 zu einer relativ frühen Generation gehört, zeigt sich daran, dass führende Nullen nicht unterdrückt werden. Um dies optisch etwas auszugleichen, werden die Nullen nur mit halber Höhe dargestellt. Auch Tausenderkommas kann die Anzeige nicht darstellen, dafür gibt es – wie bei mechanischen Rechenmaschinen – einen Schieber, der von Hand verstellt werden kann.

Abgesehen von der etwas altertümlich wirkenden Anzeige ist der Rechner elektronisch gut ausgestattet: Er hat einen vollwertigen Speicher mit drei Tasten und zusätzlich einen Grand-Total-Speicher. Auch ein Postenzähler ist vorhanden, und Multiplikatoren und Divisoren werden automatisch als Konstante gespeichert. Neben sechs Festkommapositionen steht auch ein Fließkommamodus und ein Addiermaschinenmodus zur Verfügung. Diese werden über den gleichen Schiebeschalter geschaltet, mit dem auch zwischen 5/4-Rundung und Abschneiden (Abrunden) ausgewählt werden kann.

Das Gehäuse des R-11 wirkt trotz seiner Größe nicht monströs und sieht für seine relativ Zeit modern aus, insbesondere im Vergleich zu den kantigen Vorgängern. Auch eine transparente Druckerabdeckung war 1973 noch keineswegs selbstverständlich. Ob der weiße Kunststoff von Natur aus unempfindlich gegen Vergilbung ist oder ob mein Exemplar einfach nur Glück hatte, weiß ich nicht.

Druckwerk

Der Drucker ist ein Shinshu Seiki Model 104. Die Drucktrommel läuft dauerhaft, sobald das Druckwerk zugeschaltet ist. Eine Besonderheit des Rechners ist, dass er den Rotdruck für Endergebnisse und Speicheroperationen verwendet und nicht wie gewohnt für negative Zahlen. Dieses seltsame Verhalten erklärt sich, wenn man einen Blick in die Ausgabe 1975 des Büromaschinenlexikons wirft: Dort heißt es "Alle eingegebenen Werte werden in grün, alle Ergebnisse in schwarz ausgedruckt – zum schnellen und leichten Überblick bei längeren Belegstreifen".

Der R-11 erfordert also (wie auch der R-12) eigentlich ein spezielles Farbband. Die gefühlten fünf Millionen Farbbandanbieter im Internet haben den mehr als 45 Jahre alten Rechner zwar noch in ihren Google-Fallen Datenbanken, bieten für den R-11 allerdings nur schwarz-rote oder einfarbig schwarze Bänder an. Grün-schwarze Bänder konnte ich zumindest auf die Schnelle keine mehr finden. Traurig.

Innenleben

Das Gehäuse wird von fünf Schrauben zusammengehalten. Hat man diese gelöst, läßt sich die Oberschale mitsamt der Tastatur nach links klappen. Das weitere Zerlegen ist nicht ganz einfach: Das Abziehen der Stecker für die Tastatur und den Drucker ist erst möglich, wenn man die beiden übereinanderliegenden Platinen angehoben hat. Dies ist möglich, wenn man zwei hinter der Anzeigeeinheit versteckte Schrauben gelöst hat. Will man die Tastatur und den Drucker vollständig entfernen, muss man jeweils noch ein Massekabel abschrauben.

Die obere Platine ist über ein aussteckbares Kabel mit der Trafoeinheit verbunden, zu der eine weitere, senkrecht stehende Platine gehört. Eine vierte, relativ kleine Platine befindet sich neben dem Netzstecker; sie trägt unter anderem die Hauptsicherung. Die beiden Hauptplatinen hängen rechts an zahlreichen Kabeln zusammen und lassen sich nach dem Herausnehmen auseinander klappen. Damit die Rückseiten keinen Kontakt zueinander bekommen, liegt ein Abstandshalter dazwischen, ein Teil, das man beim Wiederzusammenbau auf keinen Fall vergessen darf!

Auf der oberen Platine sitzen ein großes IC, ein Hitachi HD3219P, sowie acht kleinere ICs von Hitachi, Toshiba und NEC. Auf der unteren Platine befinden sich vier große ICs: Hitachi HD32101P, HD32103P, HN3211P und HN3269P. Die ersten beiden gab es auch schon im Casio R-3. Von den sieben kleineren ICs stammen sechs von Hitachi und eins von Toshiba. In meinem Exemplar haben die ICs Datumscodes zwischen Februar und Juni 1973.

Die wie die meisten ICs von Hitachi stammende Anzeigeeinheit (Typ H1835) sitzt in einem breiten Stecker auf der oberen Platine und lässt sich entfernen, wenn man zwei Schrauben an der Halterung gelöst hat. Die Tastatur ist mit der Gehäuseoberschale verschraubt und läßt sich leicht von dieser trennen. Die Kontakte bestehen, wie es bei guten Rechnern dieser Zeit üblich war, aus Reed-Schaltern.

Der Drucker ist über vier große Schrauben von unten befestigt. Er sitzt auf einer soliden Metallplatte, auf der auch die Trafoeinheit und der Netzstecker montiert sind. Diese Platte wiederum ist von unten mit sechs Schrauben am Gehäuseboden befestigt. Insgesamt sieht man von unten also 15 Schrauben: 5 Gehäuseschrauben, 4 für den Drucker und 6 für die Trafoeinheit!

Galerie

Eigenes Exemplar

  • Inv.Nr. 1258, Seriennummer C209236, Baujahr 1973, Zustand: funktionsfähig, optisch für das Alter gut, nur das Casio-R-11-Schild fehlt.

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