Facit CM2-16

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Facit CM2-16
Die Sprossenräder. Das Bild zeigt die eingestellte Ziffer 5, erkennbar an fünf ausgefahrenen Sprossen. Diese greifen bei einer Kurbelumdrehung wie ein Zahnrad in das Ergebniswerk ein und drehen es um entsprechend viele Schritte weiter.

Der Facit CM2-16 ist ein 1959-1967 gebauter mechanischer anzeigender Tischrechner, eine sog. Vierspezies-Maschine, die also alle vier Grundrechenarten beherrscht. Das Gerät hat ein 11stelliges Eingabewerk, ein 16stelliges Ergebniswerk und ein 9stelliges Umdrehungszählwerk.

Der Typ der Maschine wird als „Sprossenradmaschine“ bezeichnet, ein Sprossenrad ist, vereinfacht gesagt, ein Zahnrad mit ausfahrbaren Zähnen (siehe Bild). Welche bzw. wieviele Zähne dabei ausgefahren sind, hängt von der eingestellten Ziffer ab. Anders als bei der Vorgängermaschine C1-13 werden keine „geteilten Sprossenräder“ mehr verwendet, bei denen fünf Zähne gemeinsam ausfahren. Grund dafür ist die neu hinzugekommene Rückübertragungsfunktion der Rechenergebnisse ins Eingabewerk, die mit dem geteilten System kaum realisierbar gewesen wäre.

Neu ist auch die Zehnertastatur, die jetzt erstmals bei Facit die übliche Anordnung in drei Spalten hat. Aus dem Gesagten folgt, daß die CM2-16 keine Weiterentwicklung der C1-13 ist, sondern eine völlig neue Konstruktion.

Bedienung

Zusätzlich zu den Zifferntasten hat der Rechner vier weitere Tasten, eine Kurbel und vier Hebel. Wer wie ich ohne Handbuch mit diesem Rechner konfrontiert wird, muß erst einmal etwas herumprobieren (Anmerkung: Ich hatte diese Maschine lange vor der C1-13, die natürlich im Prinzip genauso funktioniert).

Fangen wir auf der rechten Seite an. Die Kurbel ist neben der Zehnertastatur das wichtigste Bedienelement des Rechners; sie entspricht dem Zughebel an einer Addiermaschine wie z.B. der Olympia 182.030. Bei einer vollständigen Umdrehung dieser Kurbel wird der Inhalt des Eingabewerks, d.h. die soeben eingetippte Zahl, in zum Ergebniswerk hinzuaddiert oder – bei Rückwärtsdrehung – von diesem abgezogen. Wegen der Möglichkeit der Rückwärtsdrehung hat der Rechner auch keine Minustaste, die bei hebelgetriebenen Maschinen notwendig ist.

Der vor der Kurbel angebrachte Hebel löscht das Eingabewerk; er ist aber nicht nur als Ersatz für eine [CE]-Taste zu verstehen: Verglichen mit einer einfachen Addiermaschine hat das Gerät nämlich, wenn man nur addieren will, einen Nachteil: Das Eingabewerk muß vor der Eingabe eines neuen Summanden explizit über diesen Hebel gelöscht werden, während dies bei einer Addiermaschine automatisch nach der Übertragung ins Rechenwerk passiert. Dieser Nachteil ist aber Voraussetzung für die Multiplikation, bei der mehrere Kurbelumdrehungen mit dem gleichen Eingabewert gemacht werden müssen.

Die Addition 123 + 456 läuft also folgendermaßen ab: 123 eintippen, eine Kurbelumdrehung vorwärts, Löschhebel betätigen, 456 eintippen und noch eine Kurbelumdrehung vorwärts. Das Ergebnis kann jetzt im Ergebniswerk links oben abgelesen werden. Zugleich steht in der dritten der drei „Anzeigen“ rechts oben die Anzahl der Kurbelumdrehungen, in diesem Fall 2. Bei Additionen funktioniert dieses Umdrehungszählwerk also wie ein Postenzähler.

Zu Beginn muß das Gerät natürlich in einen definierten Grundzustand gebracht werden. Der bereits erwähnte Löschhebel löscht nur das Eingabewerk. Das Ergebniswerk und das Umdrehungszählwerk können unabhängig voneinander über je einen Hebel an der linken Gehäuseseite gelöscht werden. Die Hebel sind so angeordnet, daß man mit einer Bewegung auch beide Werke gleichzeitig löschen kann und sehen auf den ersten Blick aus wie nur ein Hebel.

Bleibt der dritte Hebel auf der linken Seite. Er dient dazu, eine Zahl aus dem Ergebniswerk wieder in das Eingabewerk zurückzuübertragen und dabei in Verbindung mit den beiden zuvor erwähnten Hebeln auch das Ergebnis- und das Zählwerk zu löschen. Dies ist sehr hilfreich, wenn man das Ergebnis einer Berechnung als Ausgangswert für eine weitere Berechnung benötigt.

Die beiden roten Tasten links vom Zehnerblock verschieben das Eingabewerk um eine Stelle nach links oder rechts. Diese Funktion ist für Multiplikationen und Divisionen erforderlich, die ja stellenweise in mehreren Schritten erfolgen.

Die Tasten rechts von Zehnerblock lassen das Eingabewerk ganz nach links bzw. bis zu einer bestimmten Position nach links schnellen. Dies ist für Divisionen notwendig, bei denen sich (zusätzliche) Nachkommastellen ergeben können, weshalb man möglichst weit links zu rechnen anfangen will.

Eine genauere Beschreibung der Multiplikation und Division werde ich noch nachreichen!

Sonstiges

Meinen ersten CM2-16 habe ich im August 2004 erstanden. Aus der Seriennummer ergibt sich das Baujahr 1964 (siehe externe Links), der Rechner stammt also etwa aus der Mitte der Bauzeit dieses Modells. Bis auf einige kleinere Ansätze von Flugrost auf den Löschhebeln und im inneren unterhalb der Tastatur war die Maschine optisch und technisch in Ordnung. Sie hat sogar den Versand in einer äußerst dürftigen Verpackung schadlos überstanden (siehe Abenteuer eBay).

Inzwischen sind mir zwei weitere Exemplare zugefallen, die zunächst beide verklemmt waren. In beiden Fällen konnte ich den Fehler durch einen Vergleich mit der intakten Maschine finden und in einem Fall auch beheben. Im anderen Fall konnte ich zwar die Verklemmung lösen, aber den Defekt, der dazu geführt hat, konnte ich nicht bisher beheben. Teile des Rückstellungsmechanismus des Ergebniswerks klemmen, was dazu führt, daß dieser "Reset" nur unvollständig durchgeführt wird. Als Folge davon verklemmt sich die Maschine spätestens beim nächsten Zehnerübertrag im Ergebniswerk. Man kann mit der Maschine eingeschränkt arbeiten, man darf das Ergebniswerk aber nur durch das Abziehen des angezeigten Werts wieder auf 0 stellen.

Alle drei Maschinen stammen aus den Jahren 1963 und 1964, decken also einen Zeitraum von weniger als zwei Jahren ab. Dennoch unterscheiden sie sich in einigen Details: Die älteste Maschine ist schon äußerlich daran erkennbar, daß der große Schriftzug "FACIT" auf der Rückseite aus runden Kunststoffteilen besteht, während diese bei den anderen beiden Maschinen quadratisch sind. Ein weiterer äußerer Unterschied ist die innere der beiden Stellenverschiebungstasten auf der rechten Seite: Bei den beiden 1963er-Maschinen ist sie mit "<-16" beschriftet, bei der 1964er-Maschine nur mit einem Linkspfeil.

Die Mechanik ist, soweit ich das feststellen konnte, bei allen drei Maschinen identisch. Allerdings nimmt die Anzahl der brünierten Metallteile von der ältesten zur neuesten Maschine zu.

Ähnliche Maschinen

Das Nachfolgegerät der CM2-16 ist der Facit 1004, der sich wohl nur in der Form des jetzt aus Kunststoff bestehenden Gehäuses von der CM2-16 unterscheidet und ansonsten keineswegs sehr viel moderner aussieht. Die elektromechanische Version der CM2-16 ist der CA2-16.

Eigene Exemplare

  • Inv.Nr. 2102, Seriennummer 1072940, Baujahr 1964, Zustand: funktionsfähig
  • Inv.Nr. 2112, Seriennummer 1053154, Baujahr 1963, Zustand: funktionsfähig
  • Inv.Nr. 2113, Seriennummer 1038283, Baujahr 1963, Zustand: Rückstellvorrichtung des Ergebniswerks defekt

Externe Links

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