MBO mini handy 80

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MBO mini handy 80

Der MBO mini handy 80 ist ein achtstelliger LED-Taschenrechner von vermutlich 1973 oder 1974.

Damals war der moderne Bedeutung des Begriffs „Handy“ noch nicht geboren, und die Bezeichnung deutet an, dass der Rechner relativ klein und handlich ist. Aus heutiger Sicht ist er das nicht wirklich, aber zu dieser Zeit gab es noch deutlich größere „Taschenrechner“. Es gab allerdings auch schon kompaktere Rechner, z.B. den Sharp EL-801.

Auf den ersten Blick ist dieses Modell nur einer von unzähligen LED-Taschenrechnern, die in dieser Zeit erschienen sind. Das Gehäuse wirkt nicht billig, und eine Trageschlaufe sichert das gute Stück beim Einsatz außerhalb eines Büros. Die zugehörige Ledermappe hat Öffnungen für Display, Tastatur und Trageschlaufe, so dass der Rechner eigentlich nur zum Wechseln der Batterie herausgenommen werden muss.

Der Funktionsumfang ist nicht überwältigend, aber für einen einfachen Taschenrechner dieser Zeit auch nicht schlecht: Neben den Grundrechenarten gibt es immerhin einem Schiebeschalter für das Rechnen mit einer Konstanten und eine [EX]-Taste für den Registertausch. Eine [=]-Taste gibt es nicht, denn die Eingabe erfolgt wie bei einer Addiermaschine – heute undenkbar, damals zumindest nicht ganz ungewöhnlich (auch der erwähnte Sharp EL-801 folgt dieser Logik). Seltsamerweise ist die Plustaste entsprechend korrekt mit [+=] beschriftet, nicht aber die Minustaste, die als einzige nicht dunkelgrau ist, sondern rot.

Un-Logik

Wirklich seltsam wird es erst, wenn man den Rechner einschaltet: Sofort fällt auf, dass nicht wie gewohnt eine Null im Display steht, sondern 0.00. Der Rechner arbeitet nämlich stets mit zwei Nachkommastellen, was die Größe der maximal zu verarbeitenden Zahlen massiv einschränkt. Der mini handy 80 erlaubt zwar das Eintippen sieben- oder achtstelliger Ganzzahlen, geht aber beim Drücken von [+=] in den Fehlerzustand, der als EEEEE0.00 angezeigt wird. Noch stärker ist die Einschränkung beim Multiplizieren oder Dividieren: In diesem Fall darf ein Faktor oder Dividend nämlich nicht mehr als fünfstellig sein! Ein Divisor darf allerdings bis zu sieben Stellen haben. Wer glaubt, sich jetzt mit dem Registertausch aus der Affäre ziehen zu können, irrt sich: Will man auf diesem Weg 999999 durch 2 teilen, indem man 2[÷]999999[EX][+=] eintippt, erhält man ebenfalls einen Fehler.

Doch das Dividieren ist mit nur zwei Nachkommastellen ohnehin keine sehr gute Idee, denn die zweite Stelle wird nicht gerundet, so dass man praktisch nur eine korrekte Nachkommastelle erhält.

Auch die Anzeige negativer Zahlen ist nicht alltäglich, denn das Minuszeichen erscheint in sämtlichen freien Stellen links der Zahl, also z.B. ----12,34. Kaum überraschend, dass Zahlen unter -99999.99 ohne Minuszeichen dargestellt werden.

Alles in allem erscheint die Logik des mini handy 80 ausgesprochen unausgegoren. Praktisches Arbeiten erscheint fast unmöglich, und dafür spricht auch, dass mein Exemplar anscheinend nicht sehr oft benutzt wurde. Ich weiß nicht, was der Rechner damals gekostet hat, aber wenn er nicht deutlich billiger war als andere Taschenrechner, war ein Kauf sicher keine gute Entscheidung.

Innenleben

Der Rechner ist nicht einfach zu öffnen. Im Grunde wird das Gehäuse nur von einer Plastiknase gehalten, die im Batteriefach versteckt ist, aber man braucht schon fast ein Spezialwerkzeug dafür. Ideal wäre ein am Ende abgewinkelter kleiner Schraubendreher.

Auf der Platine befinden sich die Displayeinheit. Sie ist eigentlich neunstellig, aber die ganz linke Stelle ist nicht mit LEDs bestückt. Es gibt zwei ICs, dazu etliche Dioden, Widerstände, Elkos und andere passive Bauelemente. Die Hauptplatine ist über einer Reihe steifer Drähte mit der Tastaturplatine verbunden, die ihrerseits untrennbar mit der Gehäuseoberschale vernietet ist.

Das Haupt-IC ist mit „Fr 1106“ beschriftet und trägt einen Datumscode von 1973. Es handelt sich (nach nicht hundertprozentig sicheren Informationen) um ein in den USA hergestelltes Caltex-IC, wobei das „Fr“ für „Frontier Inc.“ steht. Dieser Chip wird in einem Forum als „buggiest and weirdest chip ever“ und „wicked piece of ****“ beschrieben, was nach der Beschreibung der Logik nachvollziehbar sein sollte!

Verwandtschaft

Auf der Platine befindet sich unübersehbar die Beschriftung „Unitrex Mini 80-1“. Möglicherweise hieß der zugehörige Rechner wie sein MBO-Pendant „mini handy 80“, denn es gab bei Unitrex ähnlich bezeichnete Modelle, z.B. mini handy 80R oder mini handy 80M. Ich konnte jedoch bisher keinen sicheren Hinweis auf einen Unitrex „mini handy 80“ finden und insbesondere kein Bild. Das dem MBO funktional entsprechende Unitrex-Modell ist der mini 8 (ohne „handy“), von dem es zwei Varianten gibt, von denen eine genau dem MBO entspricht, die andere jedoch im Tastaturlayout deutlich abweicht. Beide Versionen haben allerdings ein weißes Gehäuse ohne die Tastaturblende aus Metall. Der mini handy 80M dagegen entspricht optisch dem MBO, hat aber einen größeren Funktionsumfang, insbesondere einen Speicher.

Galerie

Eigenes Exemplar

  • Inv.-Nr. 3392, keine Seriennummer, Baujahr 1973 oder 1974, Zustand: funktionsfähig, optisch fast wie neu
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