Olympia CD 80

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Olympia CD 80

Der Olympia CD 80 ist ein achtstelliger Taschenrechner mit Digitron-Display. Mein Exemplar ist von 1973.

Das Erste, was an diesem Rechner auffällt ist sein Aussehen: Space-Age-Design vom Feinsten! Entfernt erinnert mich der Rechner an einen seltsam proportionierten Telefonhörer. Unverwechselbar ist der CD 80 allerdings nicht, denn er hat einige enge Verwandte (siehe unten).

Der Funktionsumfang würde für die Berechnung eines Mondflugs leider nicht ausreichen, denn es gibt nur die Grundrechenarten. Die Eingabelogik ist jedoch modern, d.h. es gibt vier Operatortasten und eine separate [=]-Taste. Multiplikatoren und Divisoren werden dabei automatisch als Konstante gespeichert.

Die Stromversorgung des CD 80 ist sehr variabel: Wahlweise können ein Fach für vier AA-Trockenbatterien (Typ JL-012) oder ein Akkupack (Typ JL-032 oder JL-033) eingesetzt werden. Wie sich JL-032 und JL-033 unterscheiden, ist mir nicht bekannt; von außen sind sie identisch. Akkupack oder Batteriefach bilden einen Teil der äußeren Form des Rechners.

Beide Einsätze sind mit einer Buchse für ein externes Netzteil ausgestattet. Das mir vorliegende Original-Netzteil ist ein NLG 80S und liefert 5,2 V und 320 mA. Beim Anschlussstecker ist der Pluspol außen.

Innenleben

Der Rechner wird von einer zentralen Schraube zusammengehalten, die im Lieferzustand von einem kleinen Aufkleber verdeckt war. Das Lösen dieser Schraube bringt einen jedoch nicht viel weiter, denn es gibt eine ganze Reihe recht hartnäckiger Kunststoffnasen. Auf der oberen Schmalseite des Rechners ist eine Nut, um das Gehäuse mit einem geeigneten Werkzeug aufzuhebeln, aber bei dem fast 45 Jahre alten Kunststoff gehören gute Nerven dazu. Evtl. hilft es, während dieser Aktion den weißen (oberen) Gehäuseteil im Bereich der Anzeige etwas zusammenzudrücken, aber sehr nachgiebig ist das Gehäuse dort nicht.

Hat man das Gehäuse geöffnet, erweist sich der Rechner als sehr wartungsfreundlich aufgebaut. Platine, Tastatur und Displayeinheit sind über Stecker elektrisch und mechanisch miteinander verbunden. Nur wenn man die Tastatur vom Gehäuse lösen will muss man einige Schrauben lösen. Sie basiert auf Reed-Schaltern, was auch nach Jahrzehnten noch störungs- und prellfreien Betrieb garantiert. Die Tastaturplatine trägt die Nummer CF74102A. Ungewöhnlich ist, dass sie einige elektronische Bauteile trägt, einen Transistor, eine Diode, einen Elko und zwei Widerstände.

Die Hauptplatine hat eine leichte Trapezform, obwohl das Gehäuse diese Form nicht erzwingt. Am unteren Ende der Platine sitzen die Kontakte für das Akku- bzw. Batteriemodul, so dass auch hier keine störenden Kabel verlaufen müssen. Neben dem IC, ein Texas-Instruments TMS0122NC, befinden sich auf der Platine dicht gedrängt unter anderem 35 Transistoren, ein Spannungsregler, sechs Elkos, eine Glassicherung und ein würfelförmiger Trafo, um die Spannung für die Anzeige zu erzeugen.

Die neun Anzeigeröhren sitzen auf einer kleinen Platine und werden von einem Kunststoffgehäuse geschützt, das mit der Platine verschraubt und verklebt ist. Acht der Röhren sind Achtsegmentanzeigen mit einer kleinen Verlängerung für den waagerechten Strich der 4. Anders als in vielen anderen Rechnern wird dieses Segment auch tatsächlich genutzt! Die neunte, links angeordnete Röhre enthält Anzeigen für Minuszeichen, Fehler und niedrigen Batteriestand. Letzteres wird durch einen kleinen Aufkleber erklärt.

Leider lässt sich der Akkupack nicht zerstörungsfrei öffnen, anders als etwa der des Sharp EL-8. Bis jetzt dringt bei meinem JL-032 noch keine Korrosion nach außen, aber das ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, wie der Zustand des Akkus JL-033 zeigt. Der Deckel, den man mit einem Messer zumindest halbwegs geordnet entfernen kann, befindet sich zum Glück auf der Innenseite, so dass beim Öffnen der äußere, sichtbare Teil des Einsatzes unbeschädigt bleibt.

Verwandtschaft

Der CD 80 wurde von Matsushita bzw. Panasonic gebaut und entspricht dem Panasonic JE-850U bzw. dem National „Panac“ JE-850. Unter dem Olympia-Typenschild befindet sich das geprägte Typenschild des Panac JE-850, wie aus einem mir vorliegenden Bild eines CD 80 hervorgeht, der sein Typenschild verloren hat.

Der CD 80 hat zwei sehr enge Verwandte, den CD 81 (= Panasonic JE-855U) und den CD 85 (= Panasonic JE-860U). Diese unterscheiden sich nur im Funktionsumfang und damit in Details der Tastatur sowie im verwendeten IC. Das Gehäuse und der mechanische Aufbau sind in allen Modellen gleich, ebenso die Anzeigeeinheit.

Die Modelle CD 82 bis CD 84 scheint es nach meinen bisherigen Recherchen nicht gegeben zu haben; auch von Panasonic sind mir keine Versionen mit einem von CD 80, 81 und 85 abweichenden Funktionsumfang bekannt.

Das dem NLG 80S entsprechende Ladegerät von Panasonic heißt JL-021. Daran erkennt man, dass die Typenbezeichnungen der Akku- und Batterieeinsätze für die Olympia-Rechner unverändert beibehalten wurden. Eine Namensänderung hätte hier allerdings auch eine Änderung der Form erfordert, weil die Typenschilder dieser Module eingeprägt sind.

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Externe Links

Eigenes Exemplar

  • Inv.-Nr. 5038, Seriennummer 0305540, Baujahr 1973, Zustand: funktionsfähig
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