Olympia CPD 5210

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Olympia CPD 5210

Der Olympia CPD 5210 (84.600) ist ein 12-stelliger druckender Tischrechner mit Digitron-Display. Meine Exemplare sind von 1976 und 1977.

Dieses Modell ist der Ausgangspunkt der Reihe CPD 5210 bis 5212, die Standard-Tischrechner mit zweifarbigem Drucker, Anzeige und Speicher umfasst. Verglichen mit dem (2018) aktuellen Vertreter dieser Reihe CPD 5212 (3) fehlen dem CPD 5210 zwar viele Features, z.B. Quadratwurzel, Postenzähler und Währungs- und Steuerfunktionen, aber dafür gibt es sechs Tasten für den Speicher statt der üblichen vier und zwei verschiedene Addiermaschinenmodi für zwei und drei Nachkommastellen. Die Zahl der Festkommapositionen ist höher als beim aktuellen Modell – alles zwischen 0 und 6 ist einstellbar – und auch die [RC]-Taste für den Registertausch sucht man am aktuellen Modell vergeblich.

Das Tastaturlayout des CPD 5210 wirkt noch etwas antiquiert und unterscheidet sich nicht grundlegend von dem der Urahnen CP 600 und CP 601. Verglichen mit modernen Rechnern fallen vor allem die kleinen und nicht von den anderen Tasten abgesetzten Plus- und Minustasten auf.

Was hat es nun mit den beiden zusätzlichen Speichertasten [M=+] und [M=−] auf sich? Auf den ersten Blick scheint es keinen Unterschied zu den Tasten [M+] und [M−] zu geben; in beiden Fällen wird ein Wert zum Speicherinhalt addiert bzw. von diesem abgezogen. Auch im Ausdruck werden beide Operationen gleich dargestellt. Der Unterschied äußert sich bei Punktrechnungen: [M=+] und [M=−] sind eine Kombination von [=] und [M+] bzw. [M−]. Die Eingabefolge [3][×][6][M+] addiert 6 zum Speicher, während [3][×][6][M+=] das Ergebnis 18 addiert. Letzteres entspricht rechnerisch der Eingabe [3][×][6][=][M+], geht aber nicht nur schneller, sondern erzeugt auch einen etwas knapperen Ausdruck.

Meine beiden Exemplare haben eine andere Tastatur als der im Büromaschinenlexikon 1977 und 1978 abgebildete Rechner. Ich will jedoch nicht ausschließen, dass die Abbildung ein Vorserienmodell oder sogar ein anderes Modell zeigt.

Innenleben

Der Aufbau des Rechners entspricht dem der vielen anderen Modelle, die Olympia im Anschluss an die noch ziemlich klobige Reihe CPD 130 bis 181 gebaut hat, wobei das Gehäuse der Form entspricht, die mit dem CP 1201 eingeführt worden ist: Der größere Teil des Gehäuses wird von einem sehr breit gebauten Druckwerk eingenommen, neben dem der Trafo gerade noch Platz hat. Davor, unter der Tastatur, sitzen die Platinen. Charakteristisch für diese Generation von Olympia-Rechnern ist auch das Kühlblech auf der linken Seite der Hauptplatine.

Neu gegenüber dem CP 1201 ist die Anzeige. Am Gehäuse wurde sie dort untergebracht, wo die Druckerabdeckung beim CP 1201 bis auf die Tastaturebene herunter gezogen ist. Die Abdeckungen der Modelle mit und ohne Anzeige sind deshalb nicht untereinander austauschbar.

Die zweite Platine, auf der die Anzeigeeinheit mit der zugehörigen Logik befestigt ist, ist schräg und mit der Bestückungsseite nach unten direkt unterhalb der Tastatureinheit angeordnet und wird über die Kunststoffhalterung der Anzeige sowie zwei Kunststoffstützen in Position gehalten. Für die elektrische Verbindung zur Hauptplatine sorgt ein Kabelbündel.

Auf der Hauptplatine ist neben der Logik auch die gesamte Netzteilelektronik untergebracht, die von einem großen Elko dominiert wird. Das Haupt-IC ist ein Rockwell A5700CC. Zwei ICs vom Typ ULN2002A dienen der Ansteuerung von je 7 Stellen des Druckwerks, und über den großen, am Kühlblech befestigten Transistor wird vermutlich der Druckermotor geschaltet. Eines weiteres IC vom Typ Motorola MC14028BCP steht im Zusammenhang mit der Tastaturabfrage. Es ist ein Binär-Dekoder, der aus einem anliegenden Drei-Bit-Wert einen von acht Ausgängen schaltet und damit vermutlich eine bestimmte Spalte der Tastaturmatrix ansteuert.

Auf der Displayplatine sitzt ein IC vom Typ Rockwell 10934CA, das für die Siebensegment-Dekodierung und das Multiplexen der Anzeige zuständig ist, soweit man es aus den Leiterbahnen herauslesen kann. Die Ansteuerung der 13 Stellen wird von diskreten Transistoren verstärkt.

Das Druckwerk stammt wie gewohnt von Olympia selbst und ist vom Typ 49.814.

Verwandtschaft

Es ist im Moment schwer zu sagen, aber aufgrund der Bauzeitpunkte meiner Exemplar könnte der von Unitrex gebaute CPD 575 der Vorgänger des CPD 5210 sein und damit der erste Olympia-Rechner mit Druckwerk und Anzeige. Obwohl der CPD 575 ein typischer japanischer Rechner mit einem Epson-Druckwerk ist, hat er einige interessante Gemeinsamkeiten mit dem CPD 5210: Er basiert auf den gleichen ICs, hat ebenfalls sechs Speichertasten, und auch der Rest der Tastatur ist recht ähnlich, insbesondere die Anordnung der wichtigen Tasten. Der CPD 575 hat übrigens einen Postenzähler – dieses Feature des Haupt-ICs wird im CPD 5210 also nicht genutzt. Dem CPD 5210 fehlen auch die drei Statuslämpchen des CPD 575 – bei einem Rechner mit Anzeige ein verzichtbarer Luxus.

Das Nachfolgemodell des CPD 5210 bzw. eine besser ausgestattete Version ist der im gleichen Gehäuse sitzende CPD 5211, der im Büromaschinenlexikon 1978 parallel zum CPD 5210 angeboten wird. CPD 5410 und CPD 5420 sind 14-stellige Versionen; letzterer hat zwei Speicher, die allerdings jeweils nur vier Tasten haben.

Galerie

Eigene Exemplare

  • Inv.-Nr. 5088, Seriennummer 012217, Baujahr 1976, Zustand: funktionsfähig
  • Inv.-Nr. 5096, Seriennummer 057969, Baujahr 1977, Zustand: funktionsfähig

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