Prinztronic MC85

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Prinztronic MC85

Der Prinztronic MC85 ist ein achtstelliger Taschen- bzw. Handrechner mit Digitron-Display. Mein Exemplar ist von 1972.

Der MC85 fällt in eine Kategorie, die zwischen Taschen- und Tischrechner liegt. Tatsächlich ist der dem MC85 entsprechende Sharp EL-811 der Nachfolger des EL-8M, der wiederum eine mit Speicher ausgestattete Version des EL-8 war, der als erster Taschenrechner gilt. Mit Akku und Trageschlaufe ist auch der MC85 klar als mobiler Rechner konzipiert und nicht als Tischrechner.

Gegenüber dem EL-8M wurde das Gehäusedesign deutlich verändert. Bei einer etwas größeren Grundfläche (105 mm Breite und 175 mm Tiefe) ist der Rechner mit 47 mm Höhe deutlich flacher geworden, und mit den metallischen Seitenflächen und seinem Tastaturdesign wirkt er auch edler.

Der Akkupack entspricht dem Sharp EL-84. Bei meinem Exemplar des MC85 war kein Netzteil dabei, aber man kann davon ausgehen, dass es eine Version des Sharp EL-81 war, das wie der Akkupack mit dem EL-8 eingeführt wurde.

Bedienung

Die Logik des EL-811 bzw MC85 wurde gegenüber dem EL-8M deutlich verbessert; insbesondere ist die sonderbare gemeinsame Multiplikations- und Divisionstaste entfallen. Während beim EL-8M der Speicher optional als Teil eines 16-stelligen Ergebnisregisters genutzt werden konnten, ist beim EL-811 bzw MC85 beides zugleich möglich. Mit der [↔]-Taste kann zwischen dem höher- und niederwertigen Teil eines 16-stelligen Ergebnisses umgeschaltet werden. Beim Speicher wurden die [MR]- und [CM]-Tasten zusammengefasst, und eine Vorzeichenwechsel-Taste ist hinzugekommen.

Eine Besonderheit des MC85 bzw. EL-811 ist die automatische Speicherung von Multiplikatoren oder Divisoren als Konstante, was durch den Aufkleber oberhalb der Tastatur angedeutet wird. Die [–=]-Taste hat dabei eine Zweitfunktion zum Löschen der Konstante. Klingt seltsam? Ist es auch!

Jede Strichrechnung, die mit [+=] oder [–=] abgeschlossen wird, speichert den (ersten) Faktor bzw. den Divisor automatisch als Konstante, was in der Anzeige mit einem K dargestellt wird. Bei einer Kettenmultiplikation wird entsprechend das Produkt aller Faktoren bis auf den letzten gespeichert. Rechnet man also [2][×][3][×][4][+=], erhält man das Ergebnis 24, und 6 ist die Konstante. Nun erhält man man mit [5][+=] den Wert 30. So weit, so gut.

In der Kurzanleitung auf der Unterseite des Rechners wird das Beispiel A × B + C genannt, also z.B. 2 × 3 + 4. Ohne die automatische Konstante könnte man es einfach mit der Tastenfolge [2][×][3][+=][4][+=] berechnen. Tippt man dies auf dem MC85 ein, erhält man jedoch das Ergebnis 8 statt 10, weil 2 als Konstante gespeichert wird und deshalb im letzten Schritt 2 × 4 berechnet wird. Um das richtige Ergebnis zu erhalten, muss man die Konstante also löschen, was über die [–=]-Taste erfolgt. Die korrekte Tastenfolge lautet also [2][×][3][+=][–=][4][+=]. Logisch, oder?

Das Ganze ist bei den Kunden wohl nicht auf viel Gegenliebe gestoßen, und so wurde das Nachfolgemodell EL-816 bzw. MC99 wieder mit einer manuellen Konstantenspeicherung ausgestattet. Bei späteren Rechnern mit getrennten [+]- und [=]-Tasten tritt das Problem nicht mehr auf, so dass Konstanten immer automatisch gespeichert werden können, ohne dass sich der Benutzer darüber Gedanken machen muss.

Innenleben

Der MC85 fühlt sich schwer an, und das liegt daran, dass sein Inneres ziemlich vollgestopft ist. Im hinterem Teil befindet sich die Ladeelektronik. die anscheinend zugekauft wurde, weil die Platine mit Fuji beschriftet ist. Über dieser Platine und der Anzeigeeinheit liegt der NiCd-Akku, der aus sechs in einem Kunststoffgehäuse untergrbrachten AA-Zellen besteht und somit eine Nennspoannung von 7,2 V hat. Die Kapazität beträgt ganze 450 mAh.

Der Akkupack ist über eine Steckverbindung angeschlossen, kann also leicht ausgetauscht werden (Ich wage nur zu bezweifeln, dass man heute noch einen Ersatz dafür bekommt). Als ich den Rechner Ende 2004 erhalten habe, hat der Akku noch einen Ansatz von Kapazität gehabt. Nach inzwischen 45 Jahren ist er zwar äußerlich noch unversehrt, aber beim Abziehen des Steckers war schon Korrosion erkennbar. Ich habe die NiCd-Zellen deshalb durch einen Elko ersetzt, denn ganz ohne Akku laufen der MC85 und seine Verwandten auch mit Netzteil nicht (siehe dazu Sharp EL-8#Akku).

Die Hauptplatine trägt die Aufschrift „Sharp 4951A“. Die Rechnerlogik, die im EL-8M noch vier ICs belegt hat, konzentriert sich im MC85 bzw. EL-811 auf nur noch zwei ICs, Rockwell (oder Sharp) 10572PA und 10573PA. Drei Hitachi HD3123P dienen der Ansteuerung der Anzeigeröhren (alternativ wurden auch NEC µPD193C verbaut). Außerdem gibt es noch ein HD9005, dessen Zweck mir nicht bekannt ist. Die Datumscodes der ICs in meinem Exemplar sind von Ende 1971 und Anfang 1972.

Die Anzeige besteht aus acht Achssegment-Röhren mit geschwungenen Ziffern, wie man sie auch in anderen Sharp-Rechnern dieser Zeit findet. Die Röhren sind auf einer senkrechten Platine montiert, die über einen breiten Stecker mit der Hauptplatine verbunden ist. Über einen gegenüberliegenden zweiten Stecker ist die Tastatur angeschlossen. Ein fünfadriges Kabel mit einem flachen Stecker verbindet Platine und Stromversorgung.

Die Tastatur basiert auf Reed-Schaltern und bildet eine untrennbare Einheit mit dem Rahmen, in den die Hauptplatine eingeschoben ist.

Verwandtschaft

Während andere von Sharp gebaute Prinztronic-Rechner zumindest in einem eigenen Gehäusen sitzen, das es bei Sharp nicht gibt, unterscheidet sich der MC85 vom Sharp EL-811 nur in der Farbe. Auch der Akku ist mit Prinztronic beschriftet und nicht mit Sharp; man hat also auch auf dieses Detail geachtet!

Der Prinztronic MC95 entspricht technisch dem MC85, hat jedoch eine leicht abweichende Gehäuseform und als deutliches Unterscheidungsmerkmal eine Tastatur mit runden Tasten. Außerdem hat er normale Siebensegmentanzeigen; er entspricht also in diesem Punkt dem Sharp EL-811A. Laut der unten verlinkten Seite vintagecalculators.com hat er auch andere ICs als der MC85, was vermutlich mit der Siebensegment-Dekodierung zusammenhängt.

Das bereits erwähnte Nachfolgemodell MC99 hat wieder eckige Tasten; sein Innenleben entspricht dem Sharp EL-816. Der MC100 sieht aus wie der MC99; die Unterschiede sind mir nicht bekannt.

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