Privileg 1201 M

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Privileg 1201 M

Der Privileg 1201 M (Best.-Nr. 09075) ist ein 12-stelliger anzeigender Tischrechner mit Panaplex-Display. Im Quelle-Katalog 1973/74 wurde er für 348,- DM angeboten, ein Jahr später noch für 298,- DM. Mein Exemplar ist von 1973.

Das Gehäuse des Rechners hat metallische Seitenflächen und metallisch glänzende Tasten und wirkt damit relativ edel. Zum Funktionsumfang gehören ein Speicher mit vier Tasten sowie eine [RC]-Taste für den Registertausch. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, hat der Rechner eine Addiermaschinentastatur (siehe Logik). Einen Fließkommamodus gibt es nicht; die per Schiebeschalter einstellbaren Festkommapositionen sind 0, 2, 4 und 6. Über einen weiteren Schiebeschalter kann kaufmännische Rundung aktiviert werden.

Links der Anzeige befinden sich übereinander drei rote Lämpchen; Zwei große für Überlauf und negativ (anstelle eines Minuszeichens) und ein kleineres für den Speicher.

Logik und Tastatur

Die Logik des Rechners wirkt für einen anzeigenden Rechner relativ seltsam, insbesondere weil das Layout und die Beschriftung der Tastatur nicht so recht dazu passen wollen.

Abgesehen davon, dass die Multiplikations- und Divisionstasten etwas abseits liegen, hat der 1201 M scheinbar eine Tastatur, wie man sie auch auf Taschenrechnern findet: Vier Tasten für die Grundrechenarten und dazu eine [=]-Taste. Doch tippt man ein [2][+][3][=], erhält man mit 3 nicht das erwartete Ergebnis, wohl aber für [2][×][3][=].

Tatsächlich hat der 1201 M eigentlich eine Addiermaschinentastatur, und zwar die Version mit getrennten Tasten für die Strichrechnungen, wie man sie an vielen druckenden Tischrechnern findet (in Reihe Triumph-Adler 1121 PD gehe ich auf dieses Thema ein). Die Plus- und Minustasten des 1201 M müssten also eigentlich mit [+=] und [−=] beschriftet sein! Und warum die [=]-Taste nicht in der Nähe der [×] und [÷] angeordnet wurde, wo sie logisch hingehört, bleibt ein Geheimnis des Herstellers.

Mit diesem Wissen kann man die Aufgabe 2+3 lösen, nämlich wie auf einer Addiermaschine mit [2][+][3][+]. (2*3)+4 lässt sich mit mit der Tastenfolge [2][×][3][=][+]4[+] berechnen. Doch wirklich perfekt ist es nicht, denn man kann in einer Reihe von Summanden nicht hin und wieder ein Produkt unterbringen, oder anders gesagt, jede Punktrechnung löscht die bis dahin aufgelaufene Summe. Schon bei der Aufgabe 1+(2×3) wird man also scheitern, denn die Tastenfolge [1]+[2][×][3][=][+] liefert nicht das korrekte Ergebnis. Hier muss man also auf die Verwendung des Speichers ausweichen. Zur Entlastung des 1201 M muss man aber sagen, dass diese Aufgabe auch auf modernen (nicht wissenschaftlichen) Taschenrechnern nicht so einfach zu berechnen ist, denn hierfür wäre nun einmal ein weiteres Register nötig.

Innenleben

Der 1201 M lässt sich über drei Schrauben, davon eine auf der Rückseite, leicht öffnen. Das relativ lange Tastaturkabel erlaubt es, den Oberteil rechts neben den Unterteil zu legen.

Die Rechnerlogik ist auf zwei ICs vom Typ Mostek MK5013P und MK5014P verteilt. Beide ICs sind 40-polig und sitzen in blauen Sockeln. Weitere ICs sind nicht vorhanden, wohl aber einige Hybridbauteile, in denen sich ganze Reihen von Transistoren oder Widerständen verstecken. Das Exemplar auf www.rechenkasten.de (siehe externe Links) hat eine andere Platinenversion, bei der die beiden der Ansteuerung der Anzeige dienenden Hybridbauteile durch echte ICs ersetzt worden sind, wobei sich das Platinenlayout aber nur geringfügig verändert hat.

Die an der Gehäuseoberschale befestigte Tastatur ist über einen ungewöhnlich fest sitzenden Platinenstecker angeschlossen. Die Anzeigeeinheit ist auf der Platine montiert und zusätzlich mit einer Schraube direkt am Gehäuseboden befestigt. Die elektrische Verbindung erfolgt über einen direkt unter der Anzeige sitzenden Stecker.

Im hinteren Teil des Rechners befindet sich der Trafo und die Netzteilelektronik. Hier ist die Platine an einem Metallrahmen befestigt, der wiederum am Gehäuseboden festgeschraubt ist. Entfernt man diese beiden Schrauben sowie die Schraube an der Displayeinheit, lässt sich die gesamte Technik aus dem Gehäuse herausnehmen.

Verwandtschaft

Der Privileg 1201 M wurde von Unitrex gebaut und entspricht dem Unitrex 1201 M, wie auch aus einem Aufdruck auf der Platine hervorgeht. Das Gehäuse ist jedoch ein völlig anderes, doch es ist möglicherweise keine Sonderentwicklung für Quelle gewesen: Auch eine der Versionen des Unitrex 1200 K sitzt nämlich in diesem Gehäuse (und möglicherweise auch weitere, mir nicht bekannte Modelle).

Der Privileg 1200 ist die speicherlose Version des 1201 M und sitzt im gleichen Gehäuse. Er entspricht technisch dem Unitrex 1200.

Galerie

Eigenes Exemplar

  • Inv.-Nr. 2454, Seriennummer D37E09376, Baujahr 1973, Zustand: funktionsfähig

Externe Links

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