Privileg SL-100

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Privileg SL-100

Der Privileg SL-100 (Bestellnummer 04356) ist ein achtstelliger anzeigender Tischrechner. Er gehört zu den ersten von Quelle angebotenen elektronischen Rechenmaschinen und war im Katalog 1972 für 448,- DM angeboten. Auch meine Exemplar ist laut IC-Datumscode von 1972.

Der Funktionsumfang ist nicht bemerkenswert. Der Rechner befindet sich stets im Fließkommamodus und beherrscht neben den Grundrechenarten nur das Rechnen mit einer Konstanten. Besonders erwähnt wird im Katalog, dass der Rechner korrekt mit negativen Zahlen umgehen kann, was ein Vorteil gegenüber der bis dahin angebotenen mechanischen Maschinen war. Nicht selbstverständlich zu dieser Zeit war die Unterdrückung führender Nullen.

Recht ungewöhnlich sind die stark abgeschrägten und nach oben hin zu einer Kreisfläche zulaufenden Tasten. Die schwarzen Funktionstasten sind rot beschriftet, was relativ düster wirkt und den Rechner irgendwie noch älter aussehen lässt als er ist.

Die auf dem Typenschild angegebene Modellbezeichnung SL-100 ist untypisch für Privileg-Rechner. Sie ist nicht auf der Rechneroberseite zu sehen, und auch im Katalog ist außer der Bestellnummer keine Bezeichnung angegeben.

Innenleben

Der SL-100 lässt sich problemlos öffnen. Hauptplatine, Tastatur und Netzteileinheit sind über Platinenstecker verbunden und damit leicht voneinander trennbar. Die Hauptplatine ist nicht festgeschraubt, sondern sie wird von Gummipuffern zwischen Tastaturplatine und Gehäuseunterschale gehalten. Netzteileinheit und Tastatur sind mit der Gehäuseoberschale verschraubt. Dieser Aufbau erinnert auffällig an den Omron 800 und dessen Nachfolger sowie die mit diesen verwandten Triumph-Adler-Modelle, doch der SL-100 stammt von einem anderen Hersteller, nämlich der Crown Radio Corporation. Passend zum Herstellernamen findet man auf allen drei Platinen ein Logo mit Krone.

Die Anzeigeeinheit ist in einem Metallgehäuse eingebaut und über zwei Stecker mit der Hauptplatine verbunden, auf der sie auch aufgeschraubt ist. Sie besteht aus neun Vakuum-Fluoreszenz-Röhren, von denen die ganz linke als Statusanzeige dient und deshalb in einem rot eingefärbten Glaskolben sitzt. Letzteres ist in meiner Sammlung bisher ohne weiteres Beispiel, sieht man vom sehr ähnlichen Nachfolgemodell SL-80 ab. Doch wenn ein grünliches Licht durch einem Rotfilter läuft, bleibt nicht mehr viel davon übrig, weswegen die Statusanzeige vergleichsweise dunkel erscheint (siehe Bilder). Ein Aufdruck auf der Displayplatine weist auf NEC als Hersteller der Röhren hin.

Die CPU ist ein Texas Instruments TMS0105BNC. Es ist eines der ersten Rechner-ICs, bei dem die gesamte Logik auf ein IC konzentriert ist (der im Funktionsumfang identische Omron 800K enthält noch drei ICs). Man findet den TMS0105 in vielen Rechnern dieser Zeit, auch in Taschenrechnern. Zu den damit ausgestatteten Privileg-Modellen gehören neben SL-100 und SL-80 auch der 03987 und der Privileg 8.

Ähnliche Rechner

Das dem SL-100 entsprechendes Modell des Herstellers ist der Crown CL-100. Ein weiterer baugleicher Rechner ist der Bubu 100X. Auch in der Farbgebung scheinen diese Rechner identisch mit der Privileg-Version zu sein.

Die Nachfolgemodelle dieser Rechner sind der Privileg SL-80, der Crown CL-80K und der Bubu 80X. Der einzige äußerlich erkennbare Unterschied ist die Bauart des Konstanten-Schalters, der jetzt ein deutlich kleinerer Schiebeschalter ist bzw. beim Bubu 80X ein Tastschalter. Auch die inneren Unterschiede beschränken sich auf die Tastatur: Nicht nur der K-Schalter, sondern die gesamte Mechanik und damit auch die Tastaturplatine unterscheiden sich, denn die (teuren) Reed-Schalter der 100er-Modelle wurden durch eine billigere Bauweise ersetzt. Elektronisch und im Aufbau der Anzeige sind beide Modellreihen identisch.

Der Privileg S-80 hat sogar die gleiche Bestellnummer wie der SL-100, so dass man davon ausgehen kann, dass das eine Modell stillschweigend durch das andere ersetzt wurde.

Für 398,- DM, also etwas günstiger, war auf der gleichen Katalogseite wie der SL-100 ein Modell mit der Bestell-Nummer 09631 angeboten (ebenfalls ohne Modellbezeichnung), das anstelle des Fließkommamodus nur die Festkommapositionen 0, 2, 4 und 6 kennt. Da keine Abbildung vorhanden ist, kann ich nicht sagen, ob dieses Modell technisch verwandt ist und/oder im gleichen Gehäuse sitzt.

Galerie

Eigenes Exemplar

  • Inv.-Nr. 2411, Seriennummer 02514, Baujahr 1972, Zustand: funktionsfähig, Netzkabel nicht original

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