Sanyo ICC-143

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Sanyo ICC-143

Der Sanyo ICC-143 ist ein 14-stelliger anzeigender Tischrechner mit einer aus Glühbirnchen zusammengesetzten Siebensegment-Anzeige. Mein Exemplar ist von 1970, dem Erscheinungsjahr.

Dieses Modell tritt die Nachfolge des ICC-142 an. Die ungewöhnliche, auf Glühlämpchen basierende Anzeige wurde von diesem übernommen. Im Büromaschinenlexikon wird diese Bauart als „flimmerfreie Mosaikanzeige“ bezeichnet. 1971 hat der ICC-143 eine Auszeichnung der iF International Forum Design GmbH erhalten.

Zum Funktionsumfang gehören ein Speicher mit Aufsummierautomatik, Registertausch, 5/4-Rundung sowie konstante Multiplikatoren und Divisoren. Fehleingaben können mit der [CK]-Taste korrigiert werden, die einer [CE]-Taste entspricht. Wofür das K in diesem Fall steht, ist mir nicht bekannt, aber man findet es auch bei anderen Sanyo-Rechnern.

Die Festkommaposition wird über eine Reihe von Knöpfen eingestellt, die sich wie Radio-Knöpfe verhalten, so dass einer ausrastet, wenn ein anderer gedrückt wird. Es gibt fünf Knöpfe für die Positionen 0, 1, 2, 4 und 8. Einen Fließkommamodus gibt es nicht. Führende Nullen werden unterdrückt, was zu dieser Zeit keineswegs selbstverständlich war.

Eher ungewöhnlich sind die beiden Leuchten für die Multiplikation und die Division (Man findet diese Spielerei auch bei einigen Sharp-Rechnern, wo die Leuchten allerdings in die entsprechenden Tasten integriert sind). Neben den Leuchten für die Punktrechenarten befindet sich eine dritte Leuchte für den Speicher. Fehler und Minuszeichen werden dagegen in der Anzeige dargestellt.

Der Rechner hat auch eine akustische Fehleranzeige, was einem oft schon beim Einschalten bewusst wird, denn wie viele seiner Zeitgenossen initialisiert sich der ICC-143 beim Einschalten nicht automatisch, sondern muss erst mit der [CA]-Taste in einen definierten Zustand versetzt werden.

Der kleine Taster unterhalb des Netzschalters ist nicht etwa ein Reset-Schalter, sondern dient dem Testen der Anzeige: Bei gedrücktem Taster leuchten alle Anzeigesegmente und Dezimalpunkte. Leider ist bei meinen Exemplar die 4. Stelle von rechts defekt, vermutlich ein defektes Bauteil in der Ansteuerungselektronik. Ich habe das auf den Bildern retuschiert.

Innenleben

Zerlegen

Das Öffnen und Zerlegen des ICC-143 ist keine ganz einfache Übung. Das Gehäuse wird auf die übliche Art von vier Schrauben zusammengehalten (was angesichts seiner Größe etwas wenig erscheint). Doch die Oberseite lässt sich nicht einfach abnehmen oder zur Seite klappen, weil beide Hälften nicht nur vom Tastaturkabel verbunden werden, sondern auch von den Kabeln, die zum Netzschalter führen. Letzteres hat neben dem Trafo einen Stecker, der sich aber recht schwer lösen lässt, besonders wenn man gleichzeitig das halb geöffnete Gehäuse halten muss.

Hat man diesen Kampf gewonnen, kann man die Tastatur an der Vorderseite des Rechner ausstecken. Will man allerdings an dem geöffneten Rechner arbeiten, um z.B. einen Fehler zu finden oder die geöffnete Anzeige in Betrieb zu fotografieren, muss man die Tastatur vom Gehäuse lösen und auf die Platine legen, natürlich mit einer geeigneten Polsterung als Unterlage, um keine Bauteile zu beschädigen oder gar einen Kurzschluss zu verursachen. Nur so ist es nämlich möglich, auch den Netzschalter wieder anzustecken, der am Tastaturrahmen befestigt ist.

Netzteileinheit, Platinen und Anzeige sind an einem u-förmigen Kunststoffrahmen befestigt, der auf der Rückseite offen ist. Dieser Rahmen ist über vier lange Schrauben am Gehäuseboden befestigt (die zweite und fünfte an der Vorderkante sowie die beiden direkt vor der Displayhalterung). Will man die Technik aus dem Gehäuse herausnehmen, müssen außerdem drei Schrauben an der Netzteileinheit gelöst werden.

Die übrigen zehn von oben zu sehenden Schrauben halten die obere Platine auf dem Rahmen und müssen nicht gelöst werden. Die untere Platine wird dagegen nur von vier Schrauben gehalten, und sie kann leicht abgenommen werden, wenn man die Displayeinheit abbauen oder an die inneren Seiten der Platinen herankommen will.

Die Netzteileinheit ist mit je zwei seitlichen Schrauben am Rahmen befestigt. Will man sie abnehmen, muss man auch die beiden Platinenstecker lösen, denn diese sind untrennbar mit der Netzteilplatine verbunden.

Will man die Anzeigeeinheit von der Platine entfernen, muss man zuerst die untere Platine vom Rahmen lösen, damit man an die beiden Schrauben herankommt, deren Muttern von oben zu sehen sind. Zusätzlich ist die Halterung auf beiden Seiten an den Kunststoffrahmen geschraubt. Das Abnehmen dieser Baugruppe hilft einem aber kaum weiter, denn an die Oberseite der Displayplatine kommt man trotzdem nicht heran: Die Platine ist über die aufgelöteten Steckplätze untrennbar mit dem Displayrahmen verbunden.

Platinen und ICs

Die zwei großen Hauptplatinen sind von oben und unten an diesen Rahmen geschraubt, wobei die bestückte Seite jeweils oben ist. Auf der Rückseite befinden sich zwei breite Platinenstecker, über die die Platinen untereinander und mit der Stromversorgung verbunden sind. Jeder dieser Stecker hat 80 Pole, die auch fast alle genutzt werden - das Verlöten war damals sicher eine Strafarbeit!

Wie auch in jüngeren Sanyo-Rechnern haben die Platinen mit R-417 beginnende Nummern, nämlich R-417207 (obere Platine) und R-417208. Beide Platinen sind doppelseitig und enthalten neben insgesamt 90 ICs (siehe Tabelle) auch zahlreiche diskrete Bauteile wie Dioden, Widerstände und Transistoren. Die 15 großen Transistoren links und rechts hinter der Anzeige dienen der Ansteuerung derselben. Es gibt relativ viele Kabel, die entferne Punkte auf den Platinen miteinander verbinden.

89 der 90 ICs im ICC-143 stammen von NEC und eines von National Semiconductor. Letzteres sowie 26 der NEC-ICs sitzen in runden Metallgehäusen (M.), der Rest in Kunststoffgehäusen (K.). Insgesamt sind es nur neun verschiedene IC-Typen, wobei ich nicht ausschließen kann, dass das NS-IC einem NEC-Typ entspricht und möglicherweise in anderen ICC-143 gar nicht vorhanden ist. Die meisten ICs tragen einen Datumscode von 1970, einige auch von 1969.

Typ Gehäuse obere Platine untere Platine Gesamt
µPD10A M. 14 9 23
µPD11A M. 1 1 2
µPD13C K. 6 5 11
µPD101C K. 14 22 36
µPD102C K. 3 6 9
µPD106 M. - 1 1
µPD111C K. 1 4 5
µPD112C K. - 2 2
NS SM7202 M. 1 - 1
Gesamt: 40 50 90

Anzeige

Die Anzeige besteht aus 14 steckbaren Kunststoffelementen, die laut Prägung von Sanyo selbst hergestellt wurden. Die Elemente enthalten jeweils acht Glühbirnchen, die verlötet sind, also nicht ohne Weiteres einzeln ausgewechselt werden können. Ein neuntes Birnchen für das Tausender-Komma ist vorgesehen, aber im ICC-143 nicht vorhanden. Stattdessen hat der Rechner manuell verstellbare Schieber vor der Displayscheibe.

Die Trennwände zwischen den Birnchen sowie eine schwarze Blende sorgen dafür, dass optisch eine normale Siebensegmentanzeige entsteht. Links befindet sich ein 15. Element, das nicht gesockelt ist. Es enthält zwei Birnchen, von denen eines das Minuszeichen darstellt und das andere die Fehleranzeige in Form eines großen Punkts. Das Minuszeichen wird nur genutzt, wenn alle 14 Stellen in Gebrauch sind, denn es befindet sich immer direkt links der Zahl.

Soweit man es aus den Bildern auf www.calcuseum.com erkennen kann (siehe externe Links), sind die Anzeigeelemente im ICC-143 baugleich mit denen im ICC-142. Statt mit einzelnen Metallklammern werden im ICC-143 aber alle Elemente gemeinsam von zwei quer verlaufenden Bügeln gehalten.

Elektrisch ist die Anzeigeeinheit über zwei 12-polige Platinenstecker mit der oberen Platine verbunden. Von den 24 Adern enden neun links auf der Platine und die anderen rechts – drei der blauen Adern vom linken Stecker laufen deshalb quer über die Platine. Da 24 Adern nicht ausreichen, ist die Fehleranzeige über eine eigenes Kabel direkt mit einem Pfostenstecker auf der Platine verbunden.

Die 24 Steckerkontakte der gemultiplexten Anzeige werden vermutlich wie folgt genutzt: 7 Segmente, Dezimalpunkt, 14 x Stellenauswahl, Minuszeichen und Masse. Jedes Anzeigeelement hat zwölf Kontakte, von denen drei nicht benutzt werden und zwei im Sockel auch gar nicht vorhanden sind. Es verbleiben sieben für die sieben Segmente, einer für den Dezimalpunkt und einer für die gemeinsame Rückleitung. Die an den Kontakten anliegende Spannung beträgt ohne Last ca. 19 V, aber aus dem Multiplexen dürfte in der Praxis eine im Schnitt deutlich niedrigere Spannung resultieren, vermutlich nicht viel mehr als 1 V.

Die Platine der Anzeigeeinheit ist wie die Hauptplatinen doppelseitig und enthält nicht nur die Sockel, sondern auch eine größere Anzahl kleiner Dioden. Man kann sie kaum sehen, aber es scheinen etwa so viele zu sein wie auch Birnchen vorhanden sind. Wie bereits erwähnt, kommt man an die Oberseite dieser Platine praktisch nicht heran.

Die Birnchen scheinen recht langlebig zu sein: Von insgesamt 117 ist bei meinem Exemplar nur eine einzige ausgebrannt. Der oben erwähnte Anzeigedefekt hat eine andere Ursache, und ich habe das Element mit dem defekten Birnchen an die ausgefallene Stelle gesetzt, so dass das ausgebrannte Birnchen nicht weiter stört.

Verwandtschaft

Soweit man es aus der Abbildung im Büromaschinenlexikon herauslesen kann, sitzt der ICC-144 im gleichen Gehäuse, hat allerdings keinen Speicher.

Einen ICC-145 gibt es nicht, und das Nachfolgemodell des ICC-143 ist vermutlich der ICC-1416. Dieser hat eine Anzeige aus Nixie-Röhren und von der „Sanyo-Norm“ abweichenden Tastaturfarben, die man z.B. auch an den druckenden Modellen ICC-1415P und ICC-1416P findet.

Galerie

Eigenes Exemplar

  • Inv.-Nr. 255, Seriennummer 702147, Baujahr 1970, Zustand: eine Anzeigestelle sowie ein Anzeigebirnchen ausgefallen, sonst funktionsfähig

Externe Links

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