Thaler Handcomputer

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Thaler Handcomputer

Der Thaler Handcomputer – eine Typenbezeichnung ist am Gerät nicht (oder nicht mehr) erkennbar – ist ein CP/M-basierter portabler Kleincomputer für rauhe Einsatzbedingungen.

Der Hersteller des Geräts existiert wohl schon länger nicht mehr, ein Handbuch liegt mir nicht vor, und im Internet konnte ich weder zum Hersteller noch zum Gerät irgend etwas finden, und auch Informationen zu vergleichbaren Rechnern habe ich noch keine gefunden. Das Folgende sind deshalb ausschließlich eigene Erkenntnisse, und für zusätzliche Informationen wäre ich sehr dankbar!

Hardware

Der etwa 650 g schwere Rechner hat ein LC-Display mit 4 Zeilen zu je 20 Zeichen und eine ABC-Tastatur im Hochformat. Das Gehäuse ist stoßgeschützt, zumindest ansatzweise wasserdicht und hat ein Fach für drei AA-Batterien. Auf der Rückseite gibt es ein elastisches Band, mit dem man den Rechner an der Hand "befestigen" kann, und auf der Unterseite befinden sich zwei runde Buchsen, die mit Kunststoffkappen verschlossen werden können. Zumindest eine der beiden hat sicher zum Datenaustausch mit einem "richtigen" Computer gedient.

Der Arbeitsspeicher des Rechners dürfte in der Größenordnung von 32 bis 40 KB liegen, wenn man von den 25670 freien Bytes ausgeht, die MBASIC anzeigt. Die Hauptplatine ist, wenn man keine Lötstellen lösen will, untrennbar mit einer zweiten Platine verbunden und wird von dieser verdeckt. Ich konnte deshalb weder den CPU-Typ (höchstwahrscheinlich ein Z80 oder 8080), noch RAM- oder ROM-Bausteine erkennen. Eine Ausnahme sind etliche SRAM-Bausteine, die vermutlich die RAM-Disks darstellen.

RAM-Disks

Der Rechner verfügt über zwei RAM-Laufwerke A: und B:, deren Kapazität ich noch nicht herausgefunden habe. Auf der oben angesprochenen Platine befinden sich 20 SRAM-Bausteine zu je 8 KB, also insgesamt 160 KB. Auch die Rückseite der Platine scheint bestückt zu sein, möglicherweise mit weiteren 160 KB. Ob diese ICs tatsächlich nur die RAM-Disks enthalten oder zusätzlich auch den Arbeitsspeicher, kann ich nicht sagen.

Mir ist noch völlig unklar, wie die "Laufwerke" ihren Inhalt auch bei einem Batteriewechsel behalten. Vermutlich gibt es im Inneren des Rechners eine versteckte Pufferbatterie, aber diese sollte nach grob geschätzten 30 Jahren, die der Rechner wohl alt ist, eigentlich leer sein. Oder ist es ein Akku oder ein großer Kondensator, der über die Betrienbsbatterien wieder aufgeladen wird? Oder sind die wichtigen Dateien im ROM gespeichert und werden beim Booten ins RAM übertragen?

Bis ich klarer sehe, werde ich die Batterien auf jeden Fall im Rechner lassen, auch wenn ich das sonst wegen der Auslaufgefahr vermeide. Einen Batteriewechsel überleben die Laufwerke allerdings problemlos, so viel habe ich schon herausgefunden. Ich hatte die Batterien nämlich in einem Anfall von Gedankenlosigkeit für längere Zeit herausgenommen (ich schätze, für mindestens eine halbe Stunde!), bevor ich den Rechner geöffnet und fotografiert habe.

Software

CP/M ist, vorsichtig gesagt, nicht mein Fachgebiet, aber soviel ich herausfinden konnte, ist die Version auf dem Thaler-Rechner sehr eingeschränkt. Noch nicht einmal der PIP-Befehl (der dem COPY-Befehl unter DOS entspricht) scheint zu existieren. Gelungen ist mir bisher lediglich der Laufwerkswechsel von A: nach B: und umgekehrt, das Anzeigen der Laufwerksinhalte mit DIR, das Anzeigen einer Datei mit TYPE sowie das Löschen einer Datei mit dem ERA-Befehl (dessen Existenz beweist, daß wir es hier tatsächlich mit CP/M zu tun haben und nicht einem stark vereinfachten MS-DOS).

Gelungen ist mir außerdem das Starten von MBASIC (die MBASIC.COM liegt bei meinem Rechner auf dem Laufwerk B:) sowie das Schreiben, Ausführen, Speichern und Laden von einfachen BASIC-Programmen. Ein Programm namens LICHT.BAS war auf dem Rechner vorhanden; es schaltet über das "Printen" einer Steuerzeichenfolge die Display-Beleuchtung ein, was über die Tastatur anscheinend nicht möglich ist. Wie man das Licht wieder ausbekommt, ohne den Rechner neu zu booten, habe ich allerdings noch nicht herausgefunden.

Ein- und Ausschalten

An dieser Stelle sind ein paar Worte zum Ein- und Ausschalten angebracht: Einen Ein-/Ausschalter hat der Rechner nicht, und das Einschalten erfolgt über einen beliebigen Tastendruck. Ob das manuelle Ausschalten möglich ist, weiß ich nicht; das Gerät schaltet sich aber nach ziemlich genau einer Minute ohne Tastendruck von selbst ab und merkt sich dabei seinen Zustand (einschließlich dem der Displaybeleuchtung!). Mit der Tastenkombination [Shift][I][N][S] (alle vier gleichzeitig drücken und etwas länger festhalten!) wird der Rechner "gebootet"; die Tastenkombination entspricht also dem bekannten "Affengriff" unter MS-DOS. Außer einer Meldung, daß das System-RAM ok ist, erscheinen beim Booten keine Informationen über Hardware oder CP/M-Version; es wird noch nicht einmal angezeigt, wie groß das RAM ist.

Bei meinem Exemplar muß anschließend die Tastatur in einen vernünftigen Zustand gebracht werden, was über die Folge [Shift][1] - [8] - [3] geschehen muß (ich wäre nie darauf gekommen, wenn nicht eine Zettel mit dieser Tastenfolge im Batteriefach gelegen wäre!). Was der Hintergrund dieses Befehls ist, weiß ich nicht, es könnte eine Fehlfunktion sein, was ich aber für eher unwahrscheinlich halte, oder eine Art Paßwortschutz. Falls letzteres zutrifft, stellt sich die Frage, ob sich alle Rechner dieses Typs so verhalten, oder ob es irgendwie eingeschaltet bzw. einprogrammiert wurde.

Sicher ist nur, daß die Tastatur ohne diese Kombination nach jedem Reset "spinnt": Die Tasten liefern falsche Zeichen, und manche Zeichen sind deswegen überhaupt nicht erreichbar, was den Rechner zumindest aus Entwicklersicht unbenutzbar macht, was natürlich durchaus erwünscht sein kann, wenn z.B. Lagerarbeiter oder Monteure mit dem Gerät arbeiten sollen

Probleme und weitere offene Fragen

Der Rechner hat keine Pfeiltasten, und es ist mir noch nicht gelungen, Bildschirmausgaben, die nicht in die vier Zeilen der LC-Anzeige passen, anzuhalten, um deren Anfang lesen zu können. So gibt z.B. die MBASIC.COM beim Start eine längere Meldung einschließlich eines Copyrighthinweises aus, aber lesen kann man nur die letzten beiden Zeilen davon. Das gleiche Problem tritt beim DIR-Befehl auf.

Der Rechner kann Kleinbuchstaben darstellen, aber es ist mir noch nicht gelungen, sie über die Tastatur zu erzeugen. Die Shift-Taste in Verbindung mit Buchstabentasten erzeugt nur Sonderzeichen, so ist z.B. [Shift][W] das für BASIC wichtige Anführungszeichen (nur die Zeichen ".", ":". "*" und "=" sind auf der Tastatur dargestellt, die anderen muß man sich merken). Viele Shift-Kombinationen sind mir noch völlig unklar, sie können z.B. einen Piepton erzeugen, Zeichenfolgen wie "^O" darstellen oder auch gar keine erkennbare Wirkung haben. Die Shift-Taste verhält sich in diesen Fällen also eher wie eine Control-Taste.

Eigenes Exemplar

  • Inv-Nr. 222, Seriennummer 110088801242, Zustand: funktionsfähig
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