Toshiba BC-1002

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Toshiba BC-1002

Der Toshiba BC-1002 ist ein zehnstelliger anzeigender Tischrechner mit Digitron-Display. Mein Exemplar ist von 1970 oder 1971.

Der Rechner fällt mit einer klappbaren Displayabdeckung auf, deren Öffnen und Schließen auch den Rechner ein- und ausschaltet. Etwas Vergleichbares findet sich auch bei den später erschienenen Sharp-Modellen CS-122 und CS-223. Anders als bei diesen ist die Abdeckung beim BC-1002 transparent, so dass man beim Schließen sieht, dass sich der Rechner tatsächlich ausschaltet.

Der Funktionsumfang des BC-1002 beschränkt sich auf die Grundrechenarten und den Registertausch. Die Festkommaposition kann auf 0, 1, 2, 4 oder 6 eingestellt werden; einen Fließkommamodus gibt es nicht.

Intern arbeitet der Rechner mit 14 Stellen, was man in der Praxis auch nutzen kann (siehe Logik). Eine Displayumschaltung für den nicht darstellbaren höherwertigen Teil eines Zahlenwerts, wie etwa beim Olympia ICR 412 oder Sharp EL-120, gibt es jedoch nicht.

Die Darstellung der Ziffern erfolgt über Achtsegmentanzeigen. Die 1 und die 4 nutzen dabei für den senkrechten Strich ein (geteiltes) achtes Segment zwischen den üblichen sieben Segmenten.

Logik

EIniges an der Logik des BC-1002 wirkt veraltet, aber Anfang der 1970er Jahre hatten auch viele andere Rechner noch ihre Macken. Nach dem Einschalten muss man zuerst einmal die [C]-Taste drücken, um den Rechner in einen definierten Zustand zu bringen. Eine Nullenunterdrückung gibt es nicht, und dies wird auch nicht durch eine halbhohe Darstellung der 0 abgemildert. Ketten-Strichrechnungen sind nicht möglich, die Eingabefolge [2][×][3][×][4] ergibt 12 und nicht 24. Eine Division durch 0 wird nicht als Fehler angezeigt und liefert einfach den Wert 0.

Der BC-1002 hat zwei Überlauf-Anzeigen, OV und OI. Letztere zeigt an, dass die 10-stellige Display-Kapazität erschöpft ist, nicht aber die 14-stellige interne Kapazität des Rechners. Wenn man also eine mehr als zehnstellige Zahl eingibt, leuchtet diese Anzeige ab der 11. Stelle auf, ohne dass die weitere Eingabe unterbunden wird. Man kann mit solchen zu großen Zahlen ganz normal rechnen, z.B. ergibt 12345678901234 / 10000 das (bei Kommaposition 0) korrekte Ergebnis 1234567890.

Erst bei der Eingabe der 15. Stelle leuchtet auch die OV-Anzeige auf. Blockiert wird die weitere Eingabe aber auch in diesem Fall nicht, und als Ergebnis erhält man dann in der Regel Unsinn.

OI leuchtet auch auf, wenn ein Ergebnis mehr als 10 Stellen hat, aber nicht mehr als 14. Auch in diesem Fall kann normal weitergerechnet werden.

Der Registertausch funktioniert zunächst einmal so, wie man es von anderen Rechnern gewohnt ist: [2][÷][8][EX][+=] liefert das Ergebnis 8 ÷ 2, also 4. Drückt man die Taste nach einer Berechnung, erhält man einen Zahlenwert aus der vorangegangenen Berehcnung zurück. Drückt man die [EX]-Taste nach einer Multiplikation, z.B. [3][×][5][+=][EX], erhält man statt des Produkts 15 wieder den ersten Faktor, also 3. Nach einer Division erhält man dagegen immer 0, wobei auch die OI-Anzeige aufleuchtet. Der Dividend ist während des Divisionsvorgangs also „zerstört“ worden.

Nach einer Addition erhält man über die [EX]-Taste die letzte Zwischensumme: [3][+=][4][+=][EX] ergibt 3, [3][+=][4][+=][5][+=][EX] ergibt 7. Bei Subtraktionen erhält man allerdings nicht immer, was man erwartet: [3][+=][4][−=][EX] ergibt wie erwartet 3, aber [4][−=][3][+=][EX] liefert (bei Kommaposition 2) 9999.000000, und außerdem leuchten sowohl die OV- als auch die OI-Anzeige auf.

Ungewöhnlich ist das Verhalten der [CI→]-Taste. Während der Eingabe macht sie das, was man auch erwarten würde, nämlich einen falschen Eingabewert löschen, ohne den Rechner zurückzusetzen. Doch nach einer Berechnung reduziert sie das Ergebnis um die niedrigste Stelle. Genaugenommen wird es durch zehn geteilt bzw. um eine Stelle nach rechts verschoben.

Die Beschriftung der Taste mit einem Pfeil hat mich zunächst vermuten lassen, dass dieses Löschen der letzten Stelle im Sinne einer Backspace- bzw. Rücklöschtaste auch während der Eingabe passieren sollte, wo es sehr sinnvoll wäre, aber genau das ist nicht möglich. Tatsächlich dient diese Funktion zum Darstellen der übergelaufenen Stellen mehr als zehnstelliger Rechenergebnisse. Ohne diese Taste wäre dies nämlich nur mit Hilfe einer Division z.B. durch 100 möglich. Etwas störend ist allerdings, dass das Komma bei der Verwendung der [CI→]-Taste nicht ebenfalls nach rechts geschoben wird.

Innenleben

Der Rechner wird von drei Schrauben zusammengehalten, von denen eine in der Mitte der Rückseite sitzt und die anderen beiden im vorderen Bereich des Gehäusebodens. Der innere Aufbau ist etwas ungewöhnlich, denn während die Platinen und damit auch die Displayeinheit am Gehäuseboden befestigt sind, hängen nicht nur die Tastatur, sondern auch der Trafo und die Netzteilplatine am Oberteil.

Man sollte beim Öffnen das Oberteil zunächst nach rechts umklappen, weil Tastaturkabel und Stromversorgung rechts angeordnet sind. Alle drei Verbindungskabel lassen sich jedoch ausstecken, so dass das vollständige Trennen der Rechnerhälften kein Problem ist. Schiebeschalter und Stromzufuhr verwenden übrigens den gleichen Steckertyp, aber deren Lage bzw. die Kabellängen machen eine versehentliche Verwechslung praktisch unmöglich.

Die beiden Platinen sind über einen breiten Stecker an der Hinterkante elektrisch und mechanisch miteinander verbunden. Die obere mit der Nummer 4258541013 ist etwas kleiner und trägt die Displayeinheit. Vermutlich ist es jedoch mehr als nur die Displayplatine, denn auf ihr sitzen auch die beiden größten ICs. Sie haben 36-polige weiße Keramikgehäuse und sind von Typ Toshiba T3019 und T3026. Ein kleineres, 16-poliges T3042 ist rechts unter der Displayeinheit versteckt. Diese besteht aus 10 Röhren mit Achtsegmentanzeigen sowie einer 11., links angeordneten Röhre mit den beiden Überlauf-Anzeigen und dem Minuszeichen.

Die untere Platine(Nummer 4258551012) wirkt älter, denn sie enthält neben einer großen Anzahl von Widerständen und Dioden sowie 6 Transistoren insgesamt 18 archaische ICs mit einem runden Metallgehäuse. Zwei davon stammen von NEC (2 x D12A), der Rest von Toshiba (8 x TM4004M, 2 x TM4005M, 4 x TM4103M, 1 x TM4105M, 1 x TM4106M).

Die Platine ist, anders als die obere, nicht nur mit „Toshiba“ beschriftet, sondern auch mit „NEC“ (wie auch im Sharp CS-241), so dass man davon ausgehen, dass die Elektronik eine Gemeinschaftsentwicklung von NEC und Toshiba war. Dass nur zwei der vielen ICs von NEC stammen, könnte darauf hindeuten, dass die Toshiba-ICs NEC-ICs entsprechen und/oder von NEC hergestellt wurden.

An der Vorderkante der unteren Platine befindet sich ein fast über die gesamte Breite gehender Stecker für den Anschluss der Tastatur. Diese nutzt nur 20 der 28 Kontakte, wobei es keine Matrix gibt, sondern jede Taste ihr eigenes Anschlusskabel hat. Das macht bei 18 Tasten plus Rückleitung 19 Adern. Die 20. Ader ist mit dem Festkomma-Schiebeschalter verbunden. An diesen sind fünf weitere Adern angelötet, aber diese sind über einen eigenen Stecker mit der oberen Platine verbunden.

Zum Ein-Schalter links oben auf der Tastatur führen keine Kabel, denn es ist ein rein mechanischer Auslöser für die Abdeckklappe. Der eigentliche Netzschalter sitzt rechts hinten im Gehäuse und wird über die Bewegung der Abdeckklappe geschaltet.

Verwandtschaft

Im gleichen Gehäuse sitzt der BC-1011, bei dem es sich um ein erweiterte Version mit Speicher handelt. Die Haupt-ICs beider Modelle sind gleich und sogar die gesamte obere Platine.

Galerie

Eigenes Exemplar

  • Inv.-Nr. 838, Seriennummer 552303, Baujahr 1970/71, Zustand: funktionsfähig

Externe Links

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