Toshiba T1100

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Der Toshiba T1100 gilt oft als der erste Laptop überhaupt, aber ganz korrekt ist das nicht. Präziser ist es wohl, den 1985 auf den Markt gekommenen Rechner als ersten kommerziell erhältlichen und voll IBM-PC-kompatiblen Laptop zu bezeichnen.

Früher erschienene Laptops, also flache, aufklappbare Rechner (engl. "clamshell design") waren z.B. der bereits 1982 erschienene Grid Compass und der Sharp PC-5000, aber diese Rechner waren nur eingeschränkt PC-kompatibel; sie hatten keine dem Standard entsprechenden Diskettenlaufwerke und ein Display mit weniger als 25 Zeilen (in die Gruppe der nicht-wirklich-kompatiblen Rechner fallen übrigens auch die erst später erschienenen Atari Portfolio und Sharp PC-3000).

Der T1100 dagegen ist voll kompatibel: Was auf dem IBM PC läuft, läuft ohne Anpassungen theoretisch auch auf dem Toshiba. Allerdings benötigte man 3,5"-Disketten, die damals im PC-Bereich noch vollkommen unüblich waren und erst ab MS-DOS 3.2 unterstützt wurden. Toshiba bot den Rechner deshalb mit einer 3,5"-fähigen Sonderversion von MS-DOS 2.11 an. Ich betreibe meinen T1100 normalerweise mit dem etwas moderneren DR-DOS 3.41.

Um einen Datenaustausch mit der nicht portablen Rechnerwelt zu gwährleisten, konnte man übrigens ein externes 5,25"-Laufwerk anschließen. Auch ein externes 3,5"-Laufwerk für den mobilen Einsatz wurde angeboten, und das war beim Arbeiten sicher eine große Hilfe, weil man auf einem Rechner ohne Festplatte und mit nur einem Diskettenlaufwerk relativ oft gezwungen ist, die Arbeitsdiskette durch die DOS-Diskette zu ersetzen und umgekehrt.

Der Bildschirm des T1100 ist ein unbeleuchtetes LC-Display mit blauer Schrift auf einem grünlich-grauen Hintergrund, das an meinem Exemplar auch heute noch ganz gut ablesbar ist. Für Präsentationen war das natürlich nicht geeignet, aber Toshiba hat hier für Abhilfe gesorgt: Der T1100 verfügt nicht nur über einen RGB-Ausgang, an den ein (damals) normaler Bildschirm angeschlossen werden kann, sondern auch über einen (monochromen) Composite-Videoausgang, wie ihn in dieser Zeit auch die meisten Homecomputer hatten. Damit kann man das Gerät sogar an einen modernen Video-Beamer anschließen oder, wer es historisch korrekt mag, z.B. an einen Commodore 1701.

Der T1100 hatte einen NiCd-Akkusatz, der laut Prospekt bis zu 8 Stunden netzunabhängigen Betrieb ermöglicht haben soll. Wem das unrealistisch erscheint, der sollte bedenken, daß der Rechner, verglichen mit heutigen Laptops, sehr wenig Strom verbraucht hat, weil er keine Festplatte hatte, ein Display ohne stromfressende Hintergrundbeleuchtung und eine mit 4,77 MHz (nicht GHz!) aus heutiger Sicht sehr langsam getaktete und damit stromsparende CPU – einen Intel 80C88.

Der Einbau einer Festplatte war nicht vorgesehen, wohl auch, um den Stromverbrauch zu begrenzen. Aber auch der im gleichen Jahr erschienene, deutlich größere PC-7000 hatte noch keine Festplatte, obwohl er voluminöser war und nur am Stromnetz betrieben werden konnte. Die kleinen Anwendungen dieser Zeit, in der PC-Kompatible selten mehr als 640 KB Hauptspeicher hatten, ließen noch ein vernünftiges Arbeiten auch ohne Festplatte zu – zumindest wenn zwei Diskettenlaufwerke vorhanden waren.

Etwa ein Jahr nach dem T1100 erschien der T1100 Plus als Nachfolgemodell. Es war keine "aufgepeppte" Version, wie das "Plus" impliziert, sondern eine völlig neue Konstruktion, schneller, mit zwei Diskettenlaufwerken und mit einem Tastaturlayout, auf dem sich ein laptop-gewohnter Anwender noch heute zurechtfinden würde – ganz im Gegensatz zum T1100, dessen Tastatur etwas gewöhnungsbedürftig ist.

Technische Daten

  • CPU: Intel 80C88, 4,77 MHz
  • RAM: 256 KB, ausbaubar auf 512 KB
  • Bildschirm: Unbeleuchtetes, monochromes LC-Display, 25 x 80 Zeichen bzw. 640 x 200 Bildpunkte
  • Laufwerke: 1 3,5"-Diskettenlaufwerk, Anschluß für externes Diskettenlaufwerk
  • Gewicht: 4,1 kg

Eigenes Exemplar

  • Inv.Nr. 818, Seriennummer 04626178, Zustand: funktionsfähig

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