Triumph-Adler 1620

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Triumph 1620
Detail der Hauptplatine mit der Herstellerangabe. Man sieht, dass die gleiche Platine auch in den vermutlich vollkommen identischen Omron 1621 eingebaut worden ist. Erkennbar sind auch einige ICs, darunter eines, das der „Mitsubishi-Minderheit“ angehört.

Der Triumph-Adler 1620 (Typ ECS bzw. EC 1620) ist ein ca. 1970 erschienener 16-stelliger anzeigender Tischrechner mit Digitron-Display, zusammen mit dem 1200 und dem 1210 einer der ersten elektronischen Rechner von Triumph-Adler.

Das wie üblich als „Triumph 1620“ oder „Adler 1620“ angebotene Gerät wurde von Omron in Japan gebaut und dort als Omron 1621 in der gleichen Farbgebung (!) vertrieben. Hier stellt sich die Frage, ob Omron die typischen TA-Farben der Tastatur übernommen hat oder ob diese Farben ursprünglich von Omron „erfunden“ wurden. Es sieht jedoch so aus als hätte Omron auch in anderen Fällen das Design seiner Kunden für eigene Geräte verwendet, was wohl möglich war, weil es auf dem japanischen Markt nicht zu einer direkten Konkurrenz gekommen ist. Entsprechend gibt es auch keine für Omron-Rechner typische Optik.

Ausstattung

Der TA 1620 hat zwei Speicher mit jeweils vier Tasten und kann auch Quadratwurzeln und Potenzen berechnen. Diese Ausstattung könnte man noch heute als gehoben bezeichnen; damals war es definitiv ein Gerät der Spitzenklasse! Im Büromaschinenlexikon 1972 war der Rechner für 3.799,- DM angeboten, ein Jahr später waren es immerhin noch 2.495,- DM. Zum Vergleich: Der druckende Rechner TA 1214 hat 1973 895,- DM gekostet. Auch 1974 war der TA 1620 noch im Büromaschinenlexikon enthalten (Preis auf Anfrage). Der Grund für dieses für die damalige Zeit lange Leben war wohl, dass es niemals ein gleichwertiges Nachfolgemodell gegeben hat.

Interessant ist, dass der Rechner intern mit 32 Stellen arbeitet, zumindest soweit, dass er ein entsprechend großes Ergebnis darstellen kann. In diesem Fall ertönt ein Warnton und man kann mit der Doppelpfeiltaste zwischen den oberen und unteren 16 Stellen hin- und herschalten. Was gerade angezeigt wird, erkennt man an zwei dreieckigen Leuchtpfeilen beiderseits der Anzeige. Ein Weiterrechnen mit einem so großen Ergebnis ist jedoch nicht möglich; außer den Löschtasten und der Doppelpfeiltaste ist alles blockiert. Der Warnton hört übrigens erst wieder auf, wenn man eine der Löschtasten drückt.

Einen Fließkommamodus gibt es nicht; die Kommaposition kann über ein Einstellrädchen zwischen 0 und 9 gewählt werden. Das Komma wird dabei sofort im Display angezeigt. Etwas seltsam wirkt, dass während der Komma-Umstellung angezeigte Ziffern stehenbleiben; erst nach dem Drücken einer Löschtaste steht die Null wieder da, wo sie hingehört, nämlich links neben dem Komma.

Potenzen sind nur mit ganzzahligen Exponenten zwischen 2 und 15 möglich. Die Berechnung dauert u.U. mehrere Sekunden. Bei größeren Exponenten oder einem beim Potenzieren entstehenden echten Überlauf wird als Ergebnis eine 17-stellige Null angezeigt, d.h. der Überlaufton ertönt und eine Umschaltung zwischen den oberen und den unteren 16 Stellen ist möglich.

Aufbau

Die aus dem Gehäuse herausgenommene Technik des TA 1620. Die obere Displayplatine ist kleiner als die Hauütplatinen und endet unterhalb der Tastatur

Die Innereien sind in einem Metallrahmen montiert, der sich komplett aus dem Gehäuse herausnehmen lässt. Die Anzeige besteht aus 16 Röhren mit Siebensegmentanzeigen in Vakuum-Floureszenz-Technik. Zusätzlich gibt es beiderseits dieser Röhren Lämpchen für Minus sowie sowie die bereits erwähnten Pfeile für die oberen bzw. unteren 16 Ergebnisstellen. Die beiden Speicher-Lämpchen sitzen direkt oberhalb der Speichertasten.

Es gibt drei Platinen, die Displayplatine und zwei Rücken an Rücken montierte Hauptplatinen. Die Logik besteht aus zahlreichen 14- und 16-poligen ICs, überwiegend von NEC, aber auch von Mitsubishi.

Die in einem soliden Metallrahmen aufgebaute Tastatur arbeitet seltsamerweise nicht mit den damals für hochwertige Rechner üblichen Reed-Kontakten sondern mit freiliegenden Mikroschaltern. Alle Komponenten sind ein einem großen Metallrahmen montiert, der sich nach dem Öffnen des Gehäuses problemlos aus demselben herausnehmen lässt; er wird nämlich von den vier Gehäuseschrauben gehalten.

Einordnung

Der Aufbau und die elektronische „Generation“ entsprechen etwa der Version 1211 des TA 1210. Der TA 1620 ist also trotz seiner archaisch anmutenden Dimensionen moderner als die Ur-Version des TA 1210, was sich aber auch aus der Historie ergibt, denn letzterer enthält die Platinen des 1969 erschienenen Omron 1210, welcher der erste Omron-Rechner überhaupt war.

Da die Platinen meines TA 1620 mit 1621 beschriftet sind, stellt sich sofort die Frage, ob es analog zum 1210 auch eine Ur-Version mit anderen Platinen gibt. Diese Frage muss im Moment noch offen bleiben; ich tendiere jedoch zur Antwort „nein“, weil zeitlich kaum „Platz“ für eine solche Version wäre.

Tatsache ist, dass es einen Omron 1621 gibt, der äußerlich nicht vom TA 1620 zu unterscheiden ist, und man kann davon ausgehen, dass er auch die 1621er-Platinen enthält.

Ein im gleichen Gehäuse sitzender Rechner ist der TA 1622, der aber nicht der Nachfolger war, sondern ein deutlich preiswerteres, parallel angebotenes Gerät. Es gibt auch einen entsprechenden Omron 1622. Dieser ist laut einer Werbeanzeige 750 g leichter als der 1621, so dass man sich fragt, ob er vielleicht mit einer Platine weniger auskommt oder vielleicht sogar ein völlig anderes Innenleben hat.

Einen echten Nachfolger hatte das Paar 1620/1622 wie gesagt nicht; alle mir bekannten späteren anzeigenden Rechner von Triumph-Adler und Omron waren maximal 12-stellig, und zwei Speicher hat es auch nur noch bei einigen druckenden Rechnern gegeben.

Sonstiges

Noch ein paar Worte zur Typenbezeichnungen. Schon bei diesem Gerät, einem der ersten elektronischen TA überhaupt, gibt es verschiedene Bezeichnungen. Die Verkaufsbezeichnung Triumph (oder Adler) 1620 steht wie gesagt vorne auf dem Gerät und auch auf dem Handbuch. Auf dem Typenschild lautet die Modellbezeichnung „ECS“ und bei den technischen Daten im Handbuch heißt es „EC 1620“. Letzteres erinnert an den ECP 1414, bei dem dies auch die Verkaufsbezeichnung war. Die 1620 entspricht schon dem üblichen Nummernschema; sie steht also für einen 16-stelligen Rechner mit 2 Speichern.

Anfang der 1980er Jahre hat Triumph-Adler übrigens Computersysteme mit ähnlichen Bezeichnungen verkauft, darunter TA 1620 D und TA 1630. Ob es auch einen TA 1620 ohne D gegeben hat, ist mir nicht bekannt; es wäre aber möglich.

Mein 2005 erstandener Triumph 1620 stammt nach den IC-Datumscodes aus dem Jahr 1970. Er ist in einem erstaunlich guten Zustand – auch dank der erhaltenen Abdeckhaube – und scheint kaum benutzt worden zu sein. Lediglich eines der beiden Birnchen zur Speicheranzeige ist durchgebrannt, obwohl die Birnchen meiner drei etwa gleich alten und definitiv mehr genutzten TA 1210 in Ordnung sind.

Demnächst gibt es hier neue und auch mehr Bilder!

Galerie

Eigenes Exemplar

  • Inv.Nr. 4055, Seriennummer 601400, Baujahr 1970, Zustand: funktionsfähig, Birnchen der Speicheranzeige durchgebrannt, optisch wie neu

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