Walther ETR 1090

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Walther ETR 1090

Der Walther ETR 1090 ist ein wissenschaftlicher Tischrechner mit Digitron-Display. Mein Exemplar ist von 1977.

Die Anzeige hat eine Kapazität von acht Stellen in der Mantisse und zwei im Exponenten. Auf den ersten Blick zeigt der Rechner ein Ergebnis immer in der Exponentialschreibweise an; statt 0,5 erhält man also 5,0000000-01. Zahlen zwischen 1 und 99999999 werden jedoch normal dargestellt, wobei der Exponent 00 anzeigt, also ignoriert werden kann.

Funktionsumfang

Der Funktionsumfang mit Speicher, logarithmischen und trigonometrischen Funktionen entspricht frühen wissenschaftlichen Taschenrechnern. Die Potenzierungsfunktion erlaubt auch nicht-ganzzahlige Exponenten, obwohl die Taste mit [xn] beschriftet ist. Auch eine Taste für den Registertausch ist vorhanden, was man an modernen wissenschaftlichen Rechnern eher selten findet. Anders als diese kann der ETR 1090 jedoch nur zwei Klammerebenen verwalten, und er beherrscht auch nicht die Punkt- vor Strichrechnung.

Über den Schiebeschalter sind die Winkelmaße Grad (D), Neugrad (G) und Bogenmaß (R) einstellbar.

Die [C]-Taste dient auch als Korrekturtaste bei der Eingabe, müsste also eigentlich mit [C/CE] beschriftet sein.

Polarkoordinaten

Eine nicht sehr häufig zu findende Funktion des ETR 1090 ist die [P→R]-Taste, mit der Polar- in Rechteckkoordinaten umgerechnet werden können und umgekehrt. Da hierfür immer zwei Werte erforderlich sind, wird der Speicher mitgenutzt, sowohl bei der Eingabe als auch beim Ergebnis.

Beispiel (Schiebeschalterstellung D): Winkel 9°, r=4, Eingabe [9][M][1][P→R]. Das Ergebnis ist die x-Koordinate 3,95075, die y-Koordinate 0,625738 steht im Speicher. Es geht auch umgekehrt: x=3, y=4, Eingabe [3][M][4][INV][P→R] liefert den Winkel 53,1301°, [M◇] liefert den Radius 5. Achtung: Im ersten Beispiel wird der Speicher bei der Eingabe für den Winkel genutzt, im zweiten beim Ergebnis aber für den Radius!

Minuten und Sekunden

Auch die Umrechnung von dezimalen Gradangaben in Bogenminuten und -sekunden ist eine Funktion, die man selbst an deutlich modernen wissenschaftlichen Rechnern nicht unbedingt findet. Zuständig dafür ist die [DEG]-Taste, und die Umrechnung erfolgt in mehreren Schritten.

Beispiel: 5° 30' 15": Eingabe [5][DEG][3][0][DEG][1][5][DEG] liefert 5,5041666. Achtung: Fehleingaben dürfen hier nicht mit der [C]-Taste korrigiert werden! Auch der Rückweg funktioniert: Nach der Eingabe 5,5041666 drückt man [INV][DEG] und erhält 30.249996 und nach erneutem Drücken von [INV][DEG] 14,99976. Der ganzzahlige Teil des ersten Ergebniswerts sind die Minuten unseres ursprünglicher Winkels, das zweite Ergebnis die Sekunden – abgesehen von einem Rundungsfehler. Übrigens rechnet mein Sharp EL-540 dieses Beispiel auch nicht genauer!

Stromversorgung

Der ETR 1090 kann wie die meisten Tischrechner am Stromnetz betrieben werden, enthält aber auch einen Akkusatz, bestehend aus fünf NiCd-Zellen im AA-Format. Anders als bei vielen anderen Akku-Rechnern der 1970er Jahre sind diese Zellen nicht eingelötet oder zu einem Akkupack zusammengefasst (wie etwa im Sharp EL-8 oder Olympia CD 80), sondern können ebenso einfach gewechselt werden wie Trockenbatterien. Deswegen können auch moderne NiMH-Akkus eingesetzt werden, aber dann sollte man den Rechner keinesfalls am Netz betreiben: Die für NiCd-Akkus ausgelegte Ladeelektronik würde die NiMH-Akkus früher oder später zerstören!

Mein vermutlich relativ frühes Exemplar hat keinen Batteriefachdeckel, so dass der Rechner zum Austausch der Akkus geöffnet werden muss; bei neueren Versionen des ETR 1090 ist das nicht mehr nötig.

Innenleben

Der Rechner ist über vier Schrauben auf der Unterseite leicht zu öffnen. Die Tastatur und der Ein-/Ausschalter sind auf der Platine befestigt, so dass sich die obere Gehäusehälfte ohne weiteren Aufwand abnehmen lässt.

Die Tastatur besteht aus einzelnen, relativ hohen Schalterelementen, wie man sie auch in anderen Walther-Rechnern dieser Zeit findet, z.B. im ETR 2058. Die Schalter sind direkt auf die Platine gelötet. Hinter der Tastatur befindet sich links das Haupt-IC, ein Rockwell A4806CB. Hinter der Displayeinheit (Futaba 13-BT-02) sitzen der Trafo und einige weitere Bauteile. Das kastenförmige Bauteil links hinten ist vermutlich der Inverter, der aus der Akkuspannung die für das Display benötigte höhere Spannung erzeugt.

Die fünf Akku-Zellen befinden sich auf der Unterseite der Platine. Sie werden durch die recht solide wirkenden Kontaktbleche gehalten und von Stützen im Gehäuseboden stabilisiert. Zwischen der Platine und den vier paarweise angeordneten Akkus befindet sich ein auf den Bildern nicht sichtbares Stück Karton; der fünfte Akku liegt auf seinen Kontaktblechen auf und wird so auf Abstand zur Platine gehalten.

Versionen

Vom ETR 1090 gibt es verschiedene Gehäuse und Platinenversionen. So ist im Büromaschinenlexikon (BML) 1978 ein Exemplar mit einem Lüftungsgitter hinter der Anzeige und einer hellen Gehäuseunterseite abgebildet, wobei unklar ist, ob diese Variante tatsächlich im Handel war. Weitere Unterschiede gibt es beim Walther-Logo hinter der Anzeige, welches bei meinem Exemplar sowie bei dem im BML 1978 eingeprägt ist, während neuere Exemplare ein schwarz bedrucktes Schild mit einem moderneren Walther-Logo haben. Diese Version ist auch im BML 1980 abgebildet (siehe Weblinks). Der bei neueren Exemplaren vorhandene Batteriefachdeckel wurde bereits erwähnt.

Von der Platine gibt es mindestens zwei Versionen. Bei meinem Exemplar (Platinennummer 2443236) sitzt der Trafo relativ zentral hinter der Anzeigeeinheit, während er bei den beiden Exemplaren von Markus Sigg (Platinennummer 2446596) deutlich weiter rechts angeordnet ist. Auch die meisten anderen Bauteile im hinteren Teil der Platine sind anders angeordnet.

Auch der Rechner selbst hat wie die Platine eine Erzeugnisnummer, die auf dem Typenschild vor der Seriennummer steht. Diese ist bei meinem Exemplar 2442850, bei den Exemplaren von Markus Sigg 2446561.

Verwandte Rechner

Das Gehäuse des ETR 1090 entspricht weitgehend dem des nichtwissenschaftlichen Walther ETR 1081.

Andere Rechner, die auf dem Rockwell A4806 basieren, sind der 1976 erschienene Rockwell 350, wie der ETR 1090 ein Tischrechner, und der Taschenrechner MBO Exakt 50. Bei beiden Rechnern sind die Tasten klarer beschriftet als beim Walther, z.B. [xy] statt [xn], [DMS DEG] statt nur [DEG], [STR] bzw. [STO] statt [M] und [C/CE] statt [C]. Der Rockwell 350 hat übrigens eine Taste weniger als der ETR 1090 oder der Exakt 50; ihm fehlt der Registertausch.

Galerie

Eigenes Exemplar

  • Inv.-Nr. 3206, Seriennummer 5222735, Baujahr 1977, Zustand: funktionsfähig

Externe Links

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