Olympia CP 1420/Transportschaden

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Tatort nach Öffnen der Schachtel und Herausnahme des zweiten Rechners
Nach dem Einsatz von viel Klebstoff und etwas Fotoretusche

Schon seit langem ist auf Abenteuer eBay zu lesen, dass der CP 1420 von allen Rechnern, die ich auf dem Postweg erhalten habe, den schwersten Transportschaden erlitten hat (wobei er inzwischen mit dem Elka 55 einen ernsthaften Mitbewerber erhalten hat, siehe „Plastiktüte“). Grund war die völlig fehlende Polsterung in Verbindung mit zwei gemeinsam „verpackten“ Rechnern.

Da ich jahrelang keinen weiteren CP 1420 mehr bei eBay gesehen hatte, habe ich mich Mitte 2009 entschlossen, diesen Rechner so gut wie möglich zu reparieren. Perfekt wurde er wegen der Kunststoffbrüche natürlich nicht mehr, aber besonders schön war er (zum Glück!) ohnehin nicht, denn er ist ziemlich vergilbt, was man im nebenstehenden Bild neben den Schiebeschaltern erkennen kann.

Befund

  • Gehäuseunterschale: Beide Führungen zum Einstecken der Papierführung und des Rollenhalters abgebrochen, eine davon in zwei Teilen. Alle Teile sind vorhanden, große Kräfte wird das nach dem Kleben aber nicht mehr aufnehmen können. Könnte man evtl. mit zusätzlichem Konststoffmaterial verstärken, was optisch nicht stören würde, weil der Schaden auf der Innenseite ist.
  • Gehäuseoberschale: Der schmale Teil zwischen Tastatur und Druckerabdeckung ist beidseitig abgebrochen; an beiden Enden sind dabei kleinere Bruchstücke entstanden, das größere davon ist noch vorhanden. Ein kleineres Stück war nicht mehr auffindbar; es ist für die Statik aber nicht so wichtig und kann evtl. durch einen zurechtgefeiltes Stück Kunststoff ersetzt werden. Im Bereich der Papierdurchführung gibt es mehrere Risse, aber keine Abbrüche.
  • Dunkle äußere Druckerabdeckung: Rechts vorne ist ein Stück in fünf (!) nennenswerten Einzelteilen weggebrochen, die alle noch auffindbar waren. Ein Kleben erscheint möglich, das Ganze müsste aber eine unterstützende Struktur auf der Innenseite der Abdeckung erhalten (was optisch nicht stören würde).
  • Transparente innere Druckerabdeckung: Ok
  • Papierführung: Ein kleines Teil abgebrochen, ist noch vorhanden und kann geklebt werden. Ein kleineres Bruchstück von dieser Stelle scheint verlorengegangen zu sein. Ist aber innenliegend und deshalb kein Problem. Außerdem sind alle 5 Stifte auf der Oberseite, die den Rollenhalter fixieren, abgebrochen und stecken noch im Rollenhalter. Dies ist kein größeres Problem, weil der Rollenhalter durch die verbliebenen Teile und die Gehäuseoberschale ausreichend fixiert wird. Mit Rücksicht auf die geklebten Teile werde ich ihn wohl ohnehin nicht mehr mit einer Rolle belasten können.
  • Rollenhalter: Erstaunlicherweise unbeschädigt!
  • Tastaturblende: Ok
  • Tastaturmodul: Optisch in Ordnung
  • Tastenkappen: Ok, alle vorhanden
  • Schiebeschalterkappen: Ok, alle vorhanden
  • Trafo, Netzschalter und Netzkabelanschluss: Optisch in Ordnung
  • Halterung für Netzbuchse / untere Motorabdeckung: Ok
  • Druckwerk: Soweit erkennbar in Ordnung, lässt sich von Hand durchdrehen.
  • Hauptplatine: Optisch in Ordnung

Reparatur

Man kann zumindest die ursprüngliche Form wiedererkennen...
Die Innenseite. Nicht schön, aber selten!

30.07.2009, ca. 2:00 Uhr: Die Technik ist wieder zusammen. Im Großen und Ganzen läuft der Rechner (vorerst mit dem Rollenhalter meines CP 1410), jedoch ist die Tastatur etwas hakelig (was mit dem Transportschaden wohl nichts zu tun hat), und der Rotdruck funktioniert nicht. Die Ursache für letzteres könnte ich evtl. durch einen genauen Vergleich mit dem identischen Druckwerk des CP 1410 herausfinden, aber als nächstes werde ich mich erst einmal um das Gehäuse kümmern.

Ohne den bis auf die Tastatur vollkommen identischen CP 1410 hätte ich es übrigens kaum geschafft, bestimmte Teile zuzuordnen (darunter zwei Sicherungsringe aus dem Druckwerk!) und die nicht ganz triviale Verlegung der Kabel wieder originalgetreu hinzubekommen.

Die Tastaturkontakte zu reinigen, wird eine Sache für sich: Das Tastaturgehäuse ist nicht zugeschraubt, sondern mit einer Art Plastiknieten verschlossen. Diese lassen sich zwar herausziehen und auch wieder einsetzen, aber ganz einfach ist es nicht.

31.07.2009, ca. 0:45 Uhr: Die Kleberei ist vorerst beendet. Der weiße Kunststoff der Gehäuseoberschale war sauber gebrochen und ließ sich auch sauber wieder zusammensetzen – so passgenau, dass die Teile sogar ohne Klebstoff an ihrer Position geblieben sind. Etwas komplizierter war das Verstärken: Weil sich auf der einen Seite des langen, schmalen Teils die Halterungen der Druckerabdeckung einhängen und auf der anderen Seite die Tastaturblende Platz haben muss, war nicht viel Platz für Verstärkungsteile. Die Festigkeit ist trotzdem zufriedenstellend, und man muss beim Aufsetzen oder Abnehmen der Druckerabdeckung keine Angst haben. Leider ist ein kleines Plastikteil verlorengegangen (oberhalb der drei Kontroll-Lämpchen), und im Moment finde ich keine Kunststoffteile im passenden Vergilbungszustand, so dass das Loch vorerst bleiben wird.

Schwieriger war das Kleben der Druckerabdeckung: Der braune Kunststoff ist weicher als der weiße und hat sich beim Brechen teilweise verformt, so dass die Teile z.T. nicht mehr exakt gepasst haben. Nach etwas Feilen ging es dann einigermaßen, wobei die Festigkeit durch zwei von innen gegen das "Puzzlespiel" geklebte Kunststoffplatten gewährleistet wird.

Auch die Gehäuserückseite mit der Rollenhalterung ist repariert, und auch hier konnte ich mit kleinen Verstärkungsplättchen eine Festigkeit erreichen, die das Einhängen einer Papierrolle erlaubt. Sogar für die fünf abgebrochenen Plastikstiftchen konnte ich einen Ersatz bauen.

Bleiben die technischen Mängel, aber diesen werde ich mich wohl erst später widmen. Beim Zusammenbau ist mir übrigens aufgefallen, dass ein nicht ganz kleines Teil gefehlt hat, nämlich eine Abdeckung aus schwarzem Karton, die verhindert, dass man bei geöffneter Druckerabdeckung in den "Platinenraum" sehen bzw. Büroklammern hineinwerfen kann. Das ist – neben einer von den anderen dreien abweichenden Gehäuseschraube – ein deutlicher Hinweis darauf, dass schon einmal jemand an dem Rechner herumgebastelt hat. War es vielleicht ein Versuch, einen der beiden technischen Mängel zu beheben?