MBO Electrodex Plus

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MBO Electrodex Plus

Der von MBO vertriebene Electrodex Plus ist ein seltamer, ein bißchen wie ein aufgeklappter Kinder-Laptop aussehender Tisch-Organizer zur Verwaltung von Telefonnummern, Notizen u.a.

Das Gerät stammt vom Hersteller „Tele-Art“, der auch auf dem Typenschild angegeben ist, und ist weitgehend baugleich mit dem von Rolodex vertriebenen Gerät gleichen Namens („Elekdrodex“ leitet sich ab von den von Rolodex gebauten rotierenden Telefonkartenständern, wie man sie noch heute auf manchen Schreibtischen findet). Die Ausbuchtungen links und rechts unter dem Display sind mechanisch miteinander verbundene Drehschalter, mit denen man die einzelnen „Visitenkarten“ durchblättern kann – eine ganz klar am ursprünglichen „Rolodex“-Kartenhalter orientierte Funktion!

Nur das bekannte MBO-Logo im Displayrahmen weist auf den Vertreiber hin. Weil es kein MBO-Typenschild gibt, ist auch keine MBO-Bestellnummer angegeben. Ein Copyrighthinweis sowie der im Initialisierungszustand auf Januar 1989 stehende Kalender lassen vermuten, daß der Electrodex 1989 erschienen ist; ein mir als PDF-Datei vorliegendes Handbuch zum Original-Elektrodex von Rolodex trägt dagegen einen Copyrightghinweis von 1990.

Das Gerät ist technisch aufwendiger als es das vor allem im Tastaturbereich ein bißchen billig wirkende Äußere vermuten läßt: Auf beiden Seiten hat es je eine unübersehbare Infrarotschnittstelle, mit der es möglich ist, mit anderen Elextrodexen Daten auszutauschen, das konnte ein zweiter Electrodex Plus sein oder eine im Funktionsumfang identische Taschenausführung, genannt Pocket Electrodex. Laut Handbuch muß dabei das empfangende Gerät links stehen und das sendende rechts! Tatsächlich zeigt ein Blick ins Innere, daß die beiden Schnittstellen nicht gleich sind: Links ist eine große Sende-Leuchtdiode eingebaut und rechts eine etwas kleinere Fotodiode zum Empfang.

Das große Display (Diagonale 14,5 cm) kann 6 Zeilen zu je 24 Zeichen darstellen. Jedes Zeichen besteht aus einer Matrix von 5 x 5 Pixeln, die jeweils höher sind als breit. Es können keine Unterlängen dargestellt werden, aber das Gerät kennt ohnehin nur Großbuchstaben.

Die Tastatur ist von der Anordnung hier eine „richtige“ QWERTY-Tastatur, kennt allerdings neben Buchstaben und Ziffern nur das Leerzeichen, einen Punkt sowie einen Bindestrich, obwohl das Gerät selbst durchaus auch andere Zeichen darstellen kann, z.B. das Ausrufezeichen oder das Plus-Symbol.

Funktionsumfang

Die Tastatur

Die Hauptfunktionen sind über die breite Mehrfachtaste am oberen Rand der Tastatur auswählbar, lediglich der Rechner hat eine eigene Aufruftaste weiter unten.

Die eigentliche Rolodex-Funktion, das Speichern von Namen und Telefonnummern, läuft unter der Funktion „Business Card File“. Der Bildschirm wird bei der Eingabe logisch aufgeteilt in Name, Firma, Telefon- und Faxnummer, Straße, Ort und zusätzliche Informationen (die insgesamt auch mehr als die sechs auf einmal sichtbaren Zeilen einnehmen können).

Die Funktion „Letters zu write“ (zu schreibende Briefe) ist nichts anderes als eine Liste von Namen und der jeweils zugehörigen Firma, und die Funktion „Call Sheet“ (Anrufliste) ist entsprechend eine Liste von Namen mit Telefonnummer. Beides sind also nicht viel mehr als einfache Notizzettelfunktionen, wobei man aber Namen aus der eigentlichen Kartei übernehmen kann. Eine weitere Notizzettelfunktion ist „Reminder Notes“, also Erinnerungsnotizen, die man als völlig freie Texte eingeben kann (auch der im Bild erkennbare Text ist eine solche Notiz).

Nicht im Handbuch zum Original-Elektrodex erklärt ist die Funktion „Morning Review“, und dort fehlt in den Abbildungen auch die entsprechende Taste! Soweit ich es herausfinden konnte, macht diese Funktion nichts anderes als nacheinander die drei Notiz-Listen darzustellen.

Der Kalender entspricht einem kleinen Papierkalender, der einen Monat pro Seite darstellt. Mit den Pfeiltasten kann man monats- oder jahresweise vor- und zurückblättern. Eine Uhr hat das Gerät nicht, also gibt es auch keinerlei Erinnerungsfunktionen.

Bemerkenswert ist noch die eingebaute Hilfefunktion, die sich mit der [INSTR]-Taste aufrufen läßt.

Ich habe das mir damals noch unbekannte Gerät als „Tischrechner“ erstanden, und tatsächlich gibt es auch eine Rechnerfunktion, wie aber wohl bei fast jedem Organizer. Er arbeitet trotz des großen Displays nur mit acht Stellen, allerdings nutzt er die vorhanden Zeilen um die Operanden sowie das Ergebnis untereinander darzustellen. Im englischen Handbuch heißt das „paper-free calculator“. Es stehen nur die vier Grundrechenarten zur Verfügung.

Die Operatorzeichen können im Textmodus übrigens nicht verwendet werden, lediglich aus dem Minus ergibt sich der erwähnte Bindestrich, der sonderbarerweise, wie auch das Minus im Rechnermodus, aus zwei Teilen besteht oder, genauer gesagt, es fehlt der mittlere der fünf Punkte, die eine waagerechte Linie ergeben würden. Es ist durchaus denkbar, daß bei meinem Exemplar ein Bit im Zeichensatz-ROM gekippt ist, allerdings sind alle anderen Zeichen in Ordnung.

Als weiteres Feature gibt es einen Währungsumrechner, der mit der X-Taste (auf der deswegen auch ein Dollarzeichen aufgedruckt ist) gestartet werden kann, wenn das Gerät im Rechnermodus ist. Es können neun Währungskurse gespeichert werden.

Schließlich kann man auch Paßwort bzw. einen Code eingeben, um die Notizen und Einträge vor Unbefugten zu schützen. Interessanterweise kann der Code nur eine zweistellige Zahl sein – nicht gerade das, was man heute als sicheres Paßwort betrachten würde!

Alles in allem wirkt der Funktionsumfang für ein Gerät dieser Größe etwas mager, insbesondere eine Uhr nebst Erinnerungsfunktion hätte ich erwartet – ohne diese liegt der praktische Wert des Elektrodex deutlich unter dem eines billigen kleinen Organizers wie etwa dem Sharp EL-6052, und letztlich ist es tatsächlich nicht viel mehr als ein Ersatz für einen Rolodex. Die 64 KB Speicher sind allerdings, insbesondere für 1990, relativ viel – der EL-6052 hat zum Beispiel nur 2 KB!

Aufbau

Das Gerät von der Seite

Mechanisch ist das Gerät nicht optimal konstruiert. Anders als es das Aussehen vermuten läßt, ist das Display nämlich nicht klappbar bzw. verstellbar, was je nach Aufstellung einen u.U. ungünstigen Lichteinfalls- oder Blickwinkel ergibt, verschärft durch die kontrastarme und unbeleuchtete Anzeige.

Die Tastatur wirkt optisch und auch mechanisch eher billig, sie ist eine krude Mischung aus runden, halbrunden, drei- und viereckigen Kunststoff- und Gummitasten, die in vier verschiedenen Farben gestaltet sind. Einige der Funktionstasten, darunter die Operationstasten des Rechners, sind zu einer einzigen langen Gummileiste zusammengefaßt, was das Tippgefühl der Gummitasten noch zusätzlich verschlechtert. Nur die aus hartem Kunststoff bestehenden Buchstaben- und Zifferntasten haben einen Druckpunkt und vermitteln so etwas wie ein Tippgefühl. Hilfsweise gibt es einen Piepton bei jedem Tastendruck, der sich laut Handbuch auch ausschalten läßt, was bei meinem Exemplar aber nicht funktioniert.

Mechanisch besteht die Tastatur aus einer Platine, einer Kontaktmatte aus Gummi und den besagten alphanumerischen Kunststofftasten. Die übrigen ‚Tasten’ sind Teil der Gummimatte.

Zum Öffnen des Elektrodex müssen zwei Schrauben auf der Gehäuseunterseite gelöst werden, die seltsamerweise beide in der Mittellinie des Gehäuses liegen. Die Bodenplatte mit dem Batteriefach und der Netzteilbuchse läßt sich dann relativ leicht entfernen, allerdings sind die Verbindungskabel zur Platine etwas zu kurz geraten und auch nicht aussteckbar, weswegen etwas Vorsicht geboten ist.

Die eigentliche Elektronik befindet sich im Displayteil des Geräts, den ich noch nicht geöffnet habe. Auf der Tastaturplatine finden sich deswegen kaum elektronische Bauteile, lediglich die Foto- und Leuchtdioden für die IR-Schnittstellen, eine Verpolungsschutzdiode sowie ein Elko am Stromanschluß, eine weitere Diode, zwei Widerstände sowie eine Halterung für die Pufferbatterie, die beim Wechsel der Hauptbatterien den Speicherinhalt bewahren soll.

Auf dem Gerät und im Handbuch ist als Typ für die Pufferbatterie CR 2430 angegeben, eingebaut war in meinem Exemplar jedoch eine CR 2330. Laut Handbuch muß die Pufferbatterie niemals ausgetauscht werden, und sie ist von außen auch gar nicht zugänglich. Die meines Exemplars war leer, aber das lag wohl daran, daß mindestens einige Jahre lang keine Hauptbatterien eingelegt waren.

Der eigentliche Betrieb erfolgt über drei Batterien der Größe AA oder über ein externes 4,5-V-Netztgerät. Interessanterweise spricht das Handbuch zum Rolodex-Original von vier Zellen, und tatsächlich sieht das Batteriefach meiner MBO-Variante aus wie provisorisch von vier auf drei Zellen umgebaut. Den Platz der vierten Zelle nimmt nämlich ein abgewinkeltes Metallblech an, das zugleich (anstelle eines üblicherweise federnden Kontaktblechs) als Pluspol dient.

Erste Erfahrungen

Befund nach Öffnen der Tastatur. Neben Chemikalien unbekannter Zusammensetzung erkennt man, daß die verschiedenfarbigen Tasten in eine gemeinsame Gummimatte gegossen wurden.

Der Versuch, mein Anfang 2005 erstandenes Exemplar mit Batterien zu betreiben, scheiterte zunächst; dem Gerät ließ sich kein Lebenszeichen entlocken. Auch mit einem Netzgerät funktionierte es scheinbar nicht richtig: Die Anzeige wurde zwar aktiv, aber auch die eigentlich ausgeschalteten Pixel traten deutlich hervor, so als ob die Spannung zu hoch wäre, was einen recht schlechten Kontrast ergab. Sicherheitshalber habe ich es mit dem Netzteil nicht lange probiert, und aus Zeitgründen blieb das Gerät dann jahrelang unbeachtet liegen.

Erst 2009 habe im Zuge einer Aufräumaktion einen weiterer Versuch gestartet, diesmal wieder mit Batterien – und mit Hilfe eines Handbuchs, das ich im Internet als PDF-Datei gefunden hatte. Ich kam nach der Lektüre des letzteren zu dem Ergebnis, daß möglicherweise schon das Einschalten das Problem ist: Es gibt nämlich keine [ON]-Taste, sondern mehrere der anderen Tasten übernehmen nebenbei diese Funktion, darunter die [Enter] und die [Calculator]-Taste. Waren diese vielleicht funktionsunfähig?

Die Reste eines Säureunfalls im Batteriefach ließen nichts Gutes ahnen, und tatsächlich fand sich nach dem Öffnen des Geräts einiges an Chemie zwischen der Tastaturplatine und der Kontaktmatte. Ich habe dann die Tastatur zerlegt und gereinigt; zum Glück war nicht wirklich etwas beschädigt.

Der innere Aufbau ist relativ wartungsunfreundlich: Platine, Flachbandkabel zum Display sowie die Drähte zum Batteriefach und zum Netzteilstecker sind fest miteinander verlötet, außerdem führen drei Kabel zu Schaltern an dem großen Roll-Mechanismus. Das Plus-Kabel ist an einer auf einer Seite freischwebenden Diode angelötet, die wohl als Verpolungsschutz dienen soll. War angelötet, denn es ist zu kurz, um den Gehäuseboden sauber zur Seite legen zu können, und hat sich kurz nach dem Öffnen gelöst.

Die recht provisorisch wirkende Verkabelung erwies sich dann schnell als eine weitere mögliche Ursache, denn als ich das abgerissene Kabel wieder angelötet hatte, kamen von den 4,5 V der drei neuen Batterien gerade mal 1,2 V auf der Platine an und zwar vor der erwähnten Diode sowie meiner Lötstelle, die als Fehlerursache damit ausschieden.

Die Ursache war die Verlötung des Minus-Kabels mit dem Batteriefach-Kontakt, der auch von dem erwähnten Auslaufschaden betroffen war. Das Kabel hing praktisch nur noch an der im grünen Dreck klebenden Isolierung, und unter der Isolierung fand sich für mehrere Zentimeter kein blankes Metall mehr, so daß ich einen neuen Draht einlöten mußte.

Die Maßnahme war von Erfolg gekrönt: Sofort nach dem Einlegen der Batterien erwachte das Gerät mit der Meldung „NO FILE“ zum Leben, allerdings schien mir, wie auch bei dem Versuch mit einem Netzteil, die Ansteuerung des Displays suboptimal zu sein: Auch die leeren Pixel traten deutlich hervor, so daß der Kontrast entsprechend schlecht war. Am falschen Netzteil liegt es also definitiv nicht; möglicherweise bessert sich dieser Zustand auch, wenn die Batterien etwas älter sind.

Einen Ausschalter gibt es nicht; das Gerät schaltete nach einer Weile (laut Handbuch 3 Minuten, was ungefähr hinkommt) von alleine ab. Eine Überraschung dann nach dem Neueinschalten mittels Schaubenzieher auf einem Kontakt der noch tastenlosen Tastaturplatine: Statt des für einen Neuling wenig sagenden „NO FILE“ erschien eine bildschirmfüllende Begrüßung. Grund war, daß ich zum Einschalten den Kontakt der [INSTR]-Taste genommen hatte, die das eingebaute Hilfesystem startet.

Nach einer Drehung am großen Rollschalter erschien die Aufforderung, einen Namen einzugeben. Ein weiteres Drehen lieferte wieder „NO FILE“ – was ja auch korrekt ist, denn nach fast 20 Jahren Rumliegen und mehreren Tagen ohne Pufferbatterie waren ganz bestimmt keine Daten mehr im Speicher!

Das Reinigen einer Tastatur macht mehr Spaß, wenn das zugehörige Gerät Lebenszeichen von sich gibt, und deshalb war das schnell erledigt. Der Zusammenbau der Tastatur ist nicht ganz einfach: Die alphanumerischen Tasten müssen von hinten bzw. von unten in die Löcher im Gehäuse eingelegt werden, und zwar in der richtigen Reihenfolge! Wie auch immer, nach dem Zusammenbau ging die Tastatur problemlos, und das Gerät scheint im großen und Ganzen in Ordnung zu sein.

Eigenes Exemplar

  • Inv.Nr. 2272, Seriennummer: keine, Baujahr ca. 1990, Zustand: funktionsfähig

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