Royal RC 800 (2)

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Royal RC 800 (Panaplex)

Der Royal RC 800 ist ein achtstelliger anzeigender Tischrechner mit Panaplex-Display. Meine Exemplare sind von 1973. Es gibt auch einen im gleichen Gehäuse sitzenden RC 800 mit Digitron-Display.

Zum Funktionsumfang dieses Modells gehört neben den vier Grundrechenarten nur eine [K]-Taste zum Rechnen mit konstanten Faktoren. Schiebeschalter gibt es keine, und der Rechner arbeitet immer im Fließkommamodus.

Die Anzeigelogik wirkt noch relativ primitiv. Das Minuszeichen erscheint an der linken Anzeigestelle, so dass negative Zahlen maximal sieben Stellen haben können. Eine Unterdrückung unnötiger Nullen gibt es nicht. Weil der Rechner immer im Fließkommamodus arbeitet, können alle Zahlen linksbündig dargestellt werden, wobei z.B. 123 als 123.00000 erscheint und 0,25 als 0,2500000. Den Grundzustand des Rechners nach dem Drücken der [C]-Taste kann man vom Ergebnis 0 übrigens daran unterscheiden, dass ersteres als 00000000 dargestellt wird und letzteres als 0.0000000.

Die Eingabelogik ist dagegen schon relativ modern und entspricht der eines üblichen Taschenrechners und nicht der einer Addiermaschine: Die Rechnung 4 minus 7 wird also [4][-][7][=] eingetippt und nicht als [4][+][7][-]. Etwas störend ist das Fehlen einer [CE]-Taste, was auch für einen preiswerten Rechner dieser Zeit relativ ungewöhnlich ist.

Die Funktion der [K]-Taste wird nicht intuitiv klar. Nach einigem Probieren habe ich herausgefunden, dass nach dem Eintippen der Folge [5][×][2][K][=] der Operator und der erste Faktor 5 gespeichert werden. Die Eingabe [4][=] liefert anschließend also das Ergebnis 20. Entsprechend wird mit [5][÷][2][K][=] der Divisionsoperator und der Dividend 5 gespeichert; anschließend liefert [4][=] also 4 / 5 = 0,8.

Das Drücken von [C] löscht auch die Konstante. Man sollte diese Taste auch nach dem Einschalten drücken, denn obwohl der Rechner immer mit der Anzeige 00000000 startet, scheint die Konstante dabei einem undefinierten Wert zu haben.

Die Division durch null wird nicht abgefangen und erzeugt einen seltsamen Effekt: Die Rechnung [9][÷][0] führt zur Anzeige 0.0.x.0.0.y.0.8, wobei y schnell hochgezählt wird und x langsam (aber nicht bei jedem Zehnerüberlauf von y). Wahrscheinlich entsteht auch die 8 an der ganz rechten Stelle durch extrem schnelles Hochzählen, denn sie leuchtet schwächer als die übrigen Ziffern. Bei mehrstelligen Dividenden ist die Anzeige anders, aber es scheinen immer die Stellen x und y zu sein, die hochgezählt werden.

Die Tastatur spricht gut an, neigt aber bei meinem Exemplar dazu, gelegentlich Geräusche zu produzieren, die sich nach einer schwingenden Feder anhören, besonders wenn man eine Taste etwas „schief“ erwischt. Da mein Gerät anscheinend nicht viel benutzt wurde, handelt es sich dabei wahrscheinlich nicht um eine Alterserscheinung, sondern um den Serienzustand.

Innenleben

Der RC 800 kann über vier Schrauben leicht geöffnet werden. Die Tastatureinheit ist dabei über weitere vier Schrauben auf Stützen befestigt, die ein Teil der Gehäuseunterschale sind und von denen zwei durch Öffnungen in der Hauptplatine verlaufen. Tastatur und Platine sind nicht trennbar, aber biegsam miteinander verbunden. Es gibt (mindestens) zwei Platinenversionen, die mit M und N bezeichnet sind und sich insbesondere in der Farbe der Unterseite unterscheiden. Es gibt aber auch kleine Unterschiede im Layout. Interessanterweise ist mein Exemplar mit der M-Platine etwas jünger als das mit der N-Platine.

Die Elektronik kommt mit einem einzigen IC aus, das allerdings nicht ganz alltäglich ist, ein General Instrument C-500 aus amerikanischer Produktion. Dieses IC findet sich z.B. auch im Commodore US*1, der auch den gleichen „Mangel“ aufweist wie der RC 800, nämlich das Fehlen einer [CE]-Taste.

Die Panaplex-Anzeigeeinheit ist auf einer kleinen Zusatzplatine montiert, die wie die Tastatur untrennbar mit der Hauptplatine verbunden ist.

Verwandtschaft

Der vermutlich etwas früher erschienene RC 800 mit Digitron-Display wurde oben bereits erwähnt. In abgeschaltetem Zustand sind beide Versionen kaum voneinander zu unterscheiden (siehe Vergleichsbild). Auch den RC 121K und möglicherweise weitere Royal-Modelle gibt es mit beiden Displayvarianten, wobei sich schon wegen der Unterschiede in der Ansteuerung der Anzeige auch die Platinen unterscheiden.

In den 1970er Jahren hat Royal wie Imperial, Feiler und auch Triumph-Adler zum Litton-Konzern gehört, was sich darin zeigt, dass viele Rechner dieser Marken ähnlich oder sogar identisch sind. So sitzen der Feiler FC 800 (mit VF-Display!) sowie die Imperial-Modelle IC 900 und 860 im gleichen Gehäuse wie der RC 800, wobei der IC 900 ersterer äußerlich dem RC 800 entspricht, aber der 860 einen etwas größeren Funktionsumfang hat (Speicher, Festkommaschalter, Prozent).

Auch von Royal gibt es weitere Modelle in diesem Gehäuse, z.B. den Digital VIII K, von dem es zwei Versionen mit Panaplex und VF-Display gibt. Worin sich die Panaplex-Version vom RC 800 unterscheidet, ist mir nicht bekannt. Wahrscheinlich gibt es von allen drei Marken noch weitere Modelle bzw. Modellversionen in diesem Gehäuse.

Wer diese Rechner hergestellt hat, ist nicht auf den ersten Blick klar, aber genauere Untersuchungen führen zu TEAL, dem Hersteller der größeren 10- und 12-stelligen Litton-Rechner. Das ergibt sich unter anderem aus technischen Ähnlichkeiten zwischen dem RC 800 und den etwa zeitgleich entstandenen Modellen Colex 1300, Colex 1400, Royal RC 121K (2) und Royal RC 126MK (2). Zu diesen Ähnlichkeiten gehört die an Tischrechnern sonst eher unübliche steife Verbindung zwischen Tastatur und Platine. Die Nummer E48740 auf der Unterseite der Platine beider Versionen findet sich auch im zehnstelligen Royal RC 101K und im druckenden Royal RCP 1200.

Galerie

Eigene Exemplare

  • Inv.-Nr. 452, Seriennummer 8D 58370, Baujahr 1973, Platinenversion M, Zustand: funktionsfähig
  • Inv.-Nr. 471, Seriennummer 8D 31190, Baujahr 1973, Platinenversion N, Zustand: funktionsfähig


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