MBO TR-12M

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MBO TR-12M

Der MBO TR-12M ist ein 12-stelliger anzeigender Tischrechner mit VF-Display. Das vermutlich jüngste meiner drei Exemplare ist von 1974.

Dieses Modell ist nicht zu verwechseln mit dem verbreiteteren gleichnamigen Modell von Ende der 1970er Jahre. Außer dem Namen haben beide Rechner wenig gemeinsam, abgesehen davon, dass es sich um 12-stellige Modelle mit Speicher handelt.

Im Handbuch steht "Sie haben gerade den best ausgerüsteten [sic!] Tischrechner gekauft, der Ihnen für Ihre Rechenprobleme unzählige Möglichkeiten bietet".

Das klingt gut, aber was bietet der TR-12M wirklich? Das Handbuch nennt an erster Stelle den vollwertigen, über vier Tasten und einen Automatikschalter bedienbaren Speicher und spricht in diesem Zusammenhang von einem "modernen und herausragenden Merkmal". Abgesehen vom Speicher gehören zum Funktionsumfang eine [EX]-Taste für den Registertausch, drei Rundungsmodi, vier Festkommapositionen (0,2,3 und 5), und ein Schalter zum Rechnen mit konstanten Faktoren und Divisoren. Der Rechner ist also tatsächlich relativ gut ausgestattet, aber auch z.B. der ein Jahr ältere MBO 1210M und der noch ältere Triumph-Adler 1214 hatten schon einen vergleichbaren Funktionsumfang.

Übrigens hat der TR-12M einen versteckten Fließkommamodus: Divisionen liefern das Ergebnis mit allen Nachkommastellen, wenn man die Rechnung mit [×] oder [÷] abschließt statt mit [+=]. Beispiel: [1][÷][7][×] liefert 0,14285714285.

Stromversorgung

Was den TR-12M tatsächlich von vergleichbaren Rechnern seiner Zeit unterscheidet, ist seine Stromversorgung: Er hat kein eingebautes Netzteil und auch keine integrierten Akkus oder Batterien, sondern nur einen runden Stecker für ein externes Netzteil. Nur so ist seine relativ geringe Größe erklärbar!

Seltsamerweise ist weder auf dem Gehäuse, noch auf dem Typenschild, noch im Handbuch angegeben, welche Spannung benötigt wird und wie der Stecker gepolt sein muss, und das, obwohl im Originalkarton kein Netzteil Platz hat, dieses also separat verkauft worden sein muss. Ist das der Grund, warum eines meiner Exemplare, so neu wie es aussieht, wahrscheinlich nie in Verwendung war?

Nachdem ich durch die Verfolgung der Leiterbahnen bis zum ersten Elko die Polung bestimmt hatte (Plus innen!), habe ich mich mit einem Universalnetzteil von unten an die notwendige Betriebsspannung herangetastet. Bei 6 V hat die Anzeige schon schwach geleuchtet, und mit 7,5 V war ein normaler Betrieb möglich. Ein kurzer Test mit 9 V hat keine Verbesserung der Leuchtkraft gebracht; die Anzeige scheint von Natur aus nicht sehr hell zu sein. Sie ist aber heller als es auf den Bildern erscheint (eine Folge des Multiplexing in Verbindung mit kurzer Belichtungsdauer).

Innenleben

Der mechanische Aufbau des TR-12M ist etwas unkonventionell. Der Rechner wird von insgesamt zehn Schrauben in fünf (!) verschiedenen Längen zusammengehalten. Sechs Schrauben sind auf der Unterseite zu sehen, wobei die beiden hinteren dieser Schrauben die Displayeinheit fixieren und nicht gelöst werden müssen, wenn man den Rechner nur öffnen will. Hat man die anderen übrigen vier Schrauben geöffnet, kann man das Oberteil leicht abnehmen.

Die Tastatureinheit ist mit weiteren vier Schrauben mit dem Gehäuseboden verschraubt, und wenn man die Platine herausnehmen will, muss man zusätzlich noch die beiden bereits erwähnten Schrauben für die Displayeinheit lösen. Der Zusammenbau ist etwas fummelig, weil der Rechner wegen seiner kompakten Bauweise mit Kabeln geradezu ausgestopft ist, insbesondere zwischen Tastatureinheit und Platine. Das Bild der Platine sagt dabei mehr als Worte könnten!

Der TR-12M basiert wie der bereits erwähnte 1210M auf dem IC-Paar EA 7022 und EA 7023 von Electronic Arrays. Sonst gibt es aber wenig Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Modellen, abgesehen davon, dass die Tastatur in beiden Fällen von HEC stammt und die Tastenkappen auch die gleiche Form haben. Während der 1210M von Teco gebaut wurde, gibt es im TR-12M keinen Hinweis darauf, insbesondere auch keinen entsprechenden Stempel im Gehäuse.

Ähnliche Rechner

Die Aufschrift "MD 12 M 1" auf der Unterseite der Platine hat mich bei einer Internet-Suche zunächst auf den Columbia MD-12M geführt (siehe externe Links). Dieser in Korea hergestellte Rechner ist äußerlich und im Stil der Typenbezeichnung mit dem MBO TR-12M identisch. Die Schachtel eines anderen Columbia-Rechners, die bei einer Online-Auktion abgebildet war, ist sogar im gleichen Stil bedruckt wie die MBO-Schachtel!

Der Hersteller dieser Rechner ist Mintron, von dem auch der MBO 833 ND (der einen ähnlichen Kabelverhau enthält!) und wahrscheinlich auch andere MBO-Taschenrechner stammen. Das dem TR-12M entsprechende Mintron-Modell ist der MD-12M. Bis auf die Beschriftung sieht er genauso aus wie der TR-12M und der Columbia MD-12M.

Galerie

Eigene Exemplare

  • Inv-Nr. 3397, Seriennummer 4003698 (?), Zustand: noch ungetestet, [0]-Taste sitzt schief
  • Inv-Nr. 3398, Seriennummer 4013712, Zustand: noch ungetestet, mit Originalkarton und Handbuch
  • Inv-Nr. 2298, Seriennummer 4020399, Baujahr 1974, Zustand: funktionsfähig, wie neu mit Originalkarton (ohne Styroporeinsatz) und Handbuch

Externe Links

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