Olympia LCD 8210

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Olympia LCD 8210 (mit schwachen Batterien)

Der Olympia LCD 8210 ist ein wissenschaftlicher Taschenrechner mit einem zweizeiligen LC-Display. Mein Exemplar ist von 2008.

Der Rechners hat 50 Tasten und laut Verpackung 229 Funktionen – ich habe das nicht nachgezählt. Ich habe ohnehin den Verdacht, dass diese auch bei anderen Herstellern zu findenden Zahlen willkürlich und reichlich übertrieben sind. Selbst wenn jede der 50 Tasten dreifach belegt wäre (was nicht der Fall ist) und man jede Ziffer sowie den Ausschalter als Funktion zählt, kommt man noch nicht einmal in die Nähe dieser Angabe! Wohlweislich wird auf Auflistungen dieser Funktionsvielfalt verzichtet, und die durch Symbole auf der Verpackung des LCD 8210 angegebenen Funktionen sind dann auch nur 54 – einschließlich öffnender und schließender Klammer.

Wie auch immer, der Funktionsumfang entspricht dem eines typischen modernen Schulrechners und sollte abgesehen von der fehlenden Programmierbarkeit keine Wünsche offen lassen. Aus meiner Sicht sind die heutigen Schulrechner mit zu vielen Funktionen überladen – ich habe mit einem Sharp EL-530 das Abitur bestanden, und zwar mit Mathematik und Physik als Leistungsfächer!

Das Display des LCD 8210 hat eine Pixelmatrix-Zeile zur Eingabe, die auch Operatorzeichen darstellen kann, und eine größere Siebensegment-Zeile für das Ergebnis. Letztere kann 10 Ziffern und zusätzlich, etwas kleiner, einen zweistelligen Exponenten darstellen. Die Eingabe erfolgt in direkter algebraischer Logik, was sich anscheinend immer mehr durchsetzt. Was mir nicht gefällt, ist die relativ kleine Darstellung der Eingabe. Kennt man den Rechner nicht, wundert man sich erst einmal, warum beim Tippen nichts in der Anzeige erscheint! Das ist zum Beispiel beim ebenfalls zweizeiligen Sharp EL-520W besser gelöst!

Qualität

Der LCD 8210 wirkt, vorsichtig gesagt, billig. Das ist kein Wunder bei einem Taschenrechner, der (Anfang 2014) neu für 5 bis 10 Euro erhältlich war, aber ich war trotzdem erschrocken, was heute unter der Traditionsmarke Olympia verkauft wird. Ich hatte bisher eigentlich erst einen so billig wirkenden Taschenrechner in der Hand, und das war ein sehr schlecht gefälschter Sharp aus Fernost. Für einen Moment habe ich tatsächlich geglaubt, wieder eine Fälschung erstanden zu haben!

Zu diesem Eindruck haben nicht nur die recht locker sitzenden Tasten, die unsauber angebrachte metallische Tastaturblende und der schwergängige Schutzdeckel beigetragen, sondern auch der Batteriefachdeckel: Die eingebauten Batterien meines unbenutzten und originalverpackten Exemplars waren scheinbar leer, so dass dies der erste Punkt war, mit dem ich mich befassen musste. Doch der auf der Unterseite erkennbare Batteriefachdeckel erwies sich als eine Attrappe: Die Fuge und sogar die Griffmulde sind nur funktionslos in den Gehäuseboden eingeprägt! Man muss also nicht, wie im Handbuch angegeben, zwei Schräubchen lösen und dann den Deckel aufschieben, sondern man muss sieben Schräubchen lösen und den ganzen Gehäuseboden abnehmen. Außerdem ist die Zahl der Batterien sowie deren Typ anders als in der Anleitung angegeben: 2x LR54 statt 1x LR55. Es ist deshalb gut möglich, dass es verschiedene Varianten dieses Rechners gibt.

Die Batterien in meinem Exemplar waren angelaufen bzw. korrodiert, aber sie hatten noch Spannung, und nach einer Reinigung lief der Rechner. Er war zum Zeitpunkt des Kaufs zwar schon sechs Jahre alt (ein sogenannter Ladenhüter!), aber das sollte eigentlich trotzdem nicht passieren, denn Knopfzellen bleiben sonst für wesentlich längere Zeit sauber.

Innenleben

Der Rechner lässt sich nach dem Lösen der bereits erwähnten sieben Schräubchen leicht öffnen; es gibt keine Schnappverschlüsse. Das LC-Display fällt einem nicht gleich entgegen, wie bei manch anderem Rechner, sondern es wird von einer Kunststoffplatte gehalten. Wenn überhaupt, kann man es nur in Richtung Rechneroberseite ausbauen.

Die Platine ist mit vier Schräubchen befestigt. Neben der CPU, die einen unregelmäßigen Klecks bildet, sind einige SMD-Bauteile vorhanden, sieben Kondensatoren und ein Widerstand. Mitte auf der Platine sitzt ein Reset-Knopf, der laut Anleitung nach dem Wechseln der Batterien gedrückt werden sollte.

Die Platine trägt die Bezeichnung "TS570TL-1" und das Datum "2007.12.14". Die Angabe "VER2.0" bestätigt die obige Vermutung, dass es von diesem Rechner mehrere Versionen gibt.

Ähnliche Rechner

Der LCD 8310 hat den gleichen Funktionsumfang, das gleiche Display und die gleiche Tastaturbelegung wie der LCD 8210, sitzt aber in einem trotz der fehlenden Metallblende weniger billig wirkenden und etwas größeren Gehäuse. Er hat solide wirkende Tasten, die auch ein besseres Tippgefühl bieten, und er hat einen echten Batteriefachdeckel. Diese Internetseiten sollen eigentlich ein Museum sein und kein Kaufratgeber, aber in diesem Fall mache ich eine Ausnahme: Finger weg vom LCD 8210 und lieber den LCD 8310 kaufen!

Auch der LCD 8110 ist von der Tastaturbelegung her identisch. Er scheint das aktuelle Modell dieser Dreiergruppe zu sein, jedenfalls soweit man es aus dem Angebot bei Amazon schließen kann.

Der Foska CA3000-1 entspricht, bis auf die Farben, genau dem Olympia 8210. Den gleichen Funktionsumfang hat auch der P-Tech DG229, der die angebliche Funktionsanzahl 229 sogar im Namen hat! Höchstwahrscheinlich gibt es weitere funktionsgleiche Modelle diverser Marken. Die Situation in China hinsichtlich Herstellern und Handelsunternehmen ist leider etwas unübersichtlich, und bisher habe ich den oder die Hersteller dieser Rechner noch nicht herausgefunden.

Offen muss auch die Frage bleiben, ob die Ähnlichkeit der Tastaturbelegung dieser Rechner und einiger Casio-Rechner auf bewusster Nachahmung basiert oder ob die Rechner auf dem gleichen IC basieren. Zufall kann es jedenfalls kaum sein.

Galerie

Eigenes Exemplar

  • Inv.Nr. 4802, Lot 2008-100738, Baujahr 2008, Zustand: neuwertig mit OVP und Bedienungsanleitung

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