Feiler 140

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Feiler 140

Der Feiler 140 ist ein 12-stelliger anzeigender Tischrechner. Mein Exemplar ist von 1971, was auch das Erscheinungsjahr ist.

Der Funktionsumfang dieses Rechners hält sich in engen Grenzen. Neben den Grundrechenarten stehen als „Extras“ lediglich eine [CE]-Taste und ein Schiebeschalter für vier Festkommapositionen (0, 2, 3, 4) zur Verfügung. Einen Fließkommamodus gibt es nicht.

Auch die Logik wirkt noch ziemlich archaisch. Führende Nullen werden nicht unterdrückt, und um diesen Mangel optisch etwas abzumildern, werden die Nullen nur halbhoch dargestellt. Die eingestellte Festkommaposition gilt auch bei der der Eingabe; ist 0 eingestellt, ist es also nicht möglich, Nachkommastellen einzugeben. Ein weiterer Mangel der Logik besteht darin, dass die Division einer 12-stelligen Zahl nicht möglich ist – vielleicht dient die 12. Stelle als eine Art Hilfsregister bei dieser Rechenoperation. An diesem Problem leiden auch andere Rechner dieser Zeit.

Innenleben

Der Rechner ist stabil wie ein Panzer und sieht auch ein bisschen so aus. Dies hat dazu beigetragen, dass mein Exemplar den ungepolsterten Versand zusammen mit einem anderen Rechner ohne Beschädigungen überstanden hat.

Das Gehäuse ist über vier Schrauben (zwei im Boden, zwei auf der Rückseite) relativ leicht zu öffnen. Die Tastatur ist an der Oberschale befestigt und läßt sich nach links umlegen und nach dem Abschrauben des Erdungskabels und dem Lösen des Platinensteckers sowie zweier weiterer Steckverbindungen vom Rest des Rechners trennen.

Das weitere Zerlegen gestaltet sich etwas aufwendiger. Die beiden Platinen und die Netzteileinheit sitzen eine einem soliden Kunststoffrahmen, der mit acht Schrauben am Gehäuseboden befestigt ist. Hat man das Innenleben aus dem Gehäuse herausgenommen, kann die Netzteileinheit von der oberen Platine abgehoben werden. Auf der Unterseite des Rahmens befinden sich zwei weitere Schrauben, nach deren Lösen die Displayplatine aus dem Platinenstecker herausgezogen werden kann, über den sie elektrisch mit der Hauptplatine verbunden ist. Anschließend lassen sich die beiden seitlichen Rahmenteile von der unteren Platine abheben.

Ein Haupt-IC im eigentlichen Sinne hat der Feiler 140 noch nicht; die Logik ist auf 18 ICs auf der Hauptplatine (davon eines in einem Metallgehäuse) und 6 ICs auf der Displayplatine verteilt. Die ICs stammen von NEC (17) und Mitsubishi (7). Eine Tabelle der ICs findet sich im Artikel zum baugleichen Royal 120. Vor allem auf der Hauptplatine finden sich außerdem zahlreiche Dioden. Auf der Displayplatine befinden sich 5 schwarze „Kästen“ von Rohm, die vermutlich Treiberbausteine für die Anzeige enthalten, was die Zahl der sichtbaren Transistoren in Grenzen hält.

Die von einem Metallbügel zusammengehaltene Anzeigeeinheit besteht aus zwölf 10-Segment-Röhren vom Typ Futaba DG10S. Leider nutzt die Logik des Rechners das zusätzliche Segment nicht, mit dessen Hilfe man die 4 schöner darstellen könnte. Auch die Tausenderkommas werden nicht genutzt; stattdessen gibt es einen mechanischem Ersatz in Form eines Schiebers vor der Displayscheibe.

Das Minuszeichen wird über ein zusätzliches Glimmlämpchen angezeigt, dessen orange Farbe dank einer Blende nach außen als rot erscheint. Die Anzeige vereinigt also zwei Technologien in sich: Neon-Glimmlampe und Vakuum-Fluoreszenz.

Ähnliche Rechner

Die Marke Feiler hat in den 1970er Jahren wie Imperial, Royal und auch Triumph-Adler zum amerikanischen Litton-Konzern gehört. Das erklärt auch, warum der Feiler 140 laut Typenschild von der Royal Typewriter Company stammt. Äußerlich identisch mit dem Feiler 140 ist der Feiler RC 120; worin die inneren Unterschiede bestehen, kann ich mangels Bildmaterial nicht sagen. Der Feiler FC 125 MK hat einen deutlich erweiterten Funktionsumfang (Speicher, konstante Faktoren, Prozenttaste). Sein Gehäuse ist nicht blau, sondern hat eine hellere, beige Farbe.

Auch von Royal und Imperial gibt es in diesem Gehäuse (beige oder blau) verschiedene Modelle mit 10 oder 12 Stellen und mit unterschiedlichem Funktionsumfang und zum Teil auch mit rot leuchtender Anzeige. Diese Modelle hier aufzuführen würde den Rahmen des Artikels sprengen; ich verweise auf die unten stehenden Weblinks! Ebenso blau wie der Feiler 140, zehnstellig und bis auf die Beschriftung äußerlich identisch ist der Royal Digital I. Der Royal 120 bzw. Royal RC 120 sitzt in einem beigen Gehäuse, ist dafür aber technisch mit dem Feiler 140 identisch.

Alle diese Rechner stammen von TEAL. Eine Zeitlang bin ich von Colex als Hersteller ausgegangen, ausgehend von dem offensichtlich eng mit dem Feiler 140 verwandten Colex 1200 (2), aber das hat sich als Irrtum erwiesen.

Altersbestimmung

Das Alter des Feiler 140 und der verwandten Rechner ergibt sich nicht nur aus den Datumscodes der NEC-ICs (die der Mitsubishi-ICs sind für mich nicht dekodierbar), sondern auch auf einem Stempel auf dem Trafo sowie einer Datumsangabe auf dem blauen Platinenstecker. Es ist unklar, ob der Trafostempel den Tag der Endmontage angibt oder den Tag, an dem die Netzteileinheit zusammengebaut wurde, aber daraus ergibt sich auf jeden Fall eine Obergrenze für das Alter.

Ungewöhnlich ist die Aufschrift „Aug-71“ auf der Platine meines Feiler 140 (nicht jedoch auf den ansonsten gleichen Platinen meines Royal 120 und meines Royal RC 120). Dabei handelt es sich nicht um einen Stempel, sondern um einen Teil der Ätzform. Dieses Datum bezeichnet also den Entwicklungsmonat dieses Platinenlayouts, während der Rechner selbst laut Trafostempel vom 14.09.1971 oder später stammt. Mein Feiler ist damit der älteste der insgesamt sieben mir vorliegenden Rechner in diesem Gehäuse.

Galerie

Eigenes Exemplar

  • Inv.-Nr. 453, Seriennummer 1W62377, Baujahr 1971, Zustand: funktionsfähig

Externe Links

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