Royal 120

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Royal 120

Der Royal 120 ist ein 12-stelliger anzeigender Tischrechner. Mein Exemplar ist von 1971, dem Erscheinungsjahr des Modells.

Der Funktionsumfang dieses Rechners hält sich in engen Grenzen. Neben den Grundrechenarten stehen als „Extras“ lediglich eine [CE]-Taste und ein Schiebeschalter für vier Festkommapositionen (0, 2, 3, 4) zur Verfügung. Einen Fließkommamodus gibt es nicht.

Auch die Logik wirkt noch ziemlich archaisch. Führende Nullen werden nicht unterdrückt, und um diesen Mangel optisch etwas abzumildern, werden die Nullen nur halbhoch dargestellt. Die eingestellte Festkommaposition gilt auch bei der der Eingabe; ist 0 eingestellt, ist es also nicht möglich, Nachkommastellen einzugeben. Ein weiterer Mangel der Logik besteht darin, dass die Division einer 12-stelligen Zahl nicht möglich ist – wahrscheinlich dient die 12. Stelle als eine Art Hilfsregister bei dieser Rechenoperation. Diese Einschränkung findet man auch bei einigen anderen Rechnern dieser Zeit.

Innenleben

Das Gehäuse ist über vier Schrauben (zwei im Boden, zwei auf der Rückseite) relativ leicht zu öffnen. Die Tastatur ist an der Oberschale befestigt, und diese lässt sich nach links umklappen und nach dem Abschrauben des Erdungskabels und dem Lösen des Platinensteckers sowie zweier weiterer Steckverbindungen (Stromversorgung der Platine und Netzschalter) vom Rest des Rechners trennen.

Das weitere Zerlegen gestaltet sich etwas aufwändiger, ist aber problemlos möglich. Die beiden Platinen und die Netzteileinheit sitzen in einem Kunststoffrahmen, der mit acht Schrauben am Gehäuseboden befestigt ist. Hat man das Innenleben aus dem Gehäuse herausgenommen, kann die Netzteileinheit von der oberen Platine abgehoben werden. Auf der Unterseite des Rahmens befinden sich zwei weitere Schrauben, nach deren Lösen die Displayplatine aus dem Platinenstecker herausgezogen werden kann, über den sie elektrisch mit der Hauptplatine verbunden ist. Anschließend lassen sich auch die beiden seitlichen Rahmenteile von der unteren Platine abheben.

Die Logik des Royal 120 ist auf 18 ICs auf der Hauptplatine (davon eines in einem Metallgehäuse) und 6 ICs auf der Displayplatine verteilt. Die insgesamt 24 ICs erscheinen wenig für einen Rechner ohne ein größeres „Haupt-IC“. Die ICs stammen von NEC (17) und Mitsubishi (7):

Typ Hauptplatine Displayplatine Gesamt
µPD10C 2 1 3
µPD11A 1 - 1
µPD13C 7 2 9
µPD101C 2 - 2
µPD102C 1 - 1
µPD107C 1 - 1
M5811 2 - 2
M5812 1 2 3
M58214 - 1 1
M58221 1 - 1
Gesamt: 18 6 24

Vor allem auf der Hauptplatine finden sich außerdem zahlreiche Dioden. Auf der Displayplatine befinden sich 5 schwarze „Kästen“ von Rohm, bei denen es sich vermutlich um Hybridbausteine handelt, die Transistoren für die Ansteuerung der Anzeige enthalten, denn die Zahl der sichtbaren Transistoren ist für einen Rechner dieser Epoche relativ klein.

Die von einem Metallbügel zusammengehaltene Anzeigeeinheit besteht aus zwölf Achtsegment-Röhren vom Typ Futaba DG10S. Allerdings nutzt die Logik des Rechners das zusätzliche Segment nicht, mit dessen Hilfe man die 4 schöner und die 1 zentriert darstellen könnte. Auch die Tausenderkommas werden nicht genutzt; stattdessen gibt es einen mechanischer Schieber vor der Displayscheibe.

Das Minuszeichen wird über ein zusätzliches Glimmlämpchen angezeigt, dessen orange Farbe dank einer Blende nach außen als rot erscheint.

Wie auch in seinen im gleichen Gehäuse sitzenden Verwandten findet sich im Royal 120 ein Datumsstempel auf dem Trafo, der möglicherweise dem Montagedatum entspricht, zumindest aber das Alter des Rechners nach oben begrenzt. In meinem Exemplar ist dieses Datum der 17.11.1971.

Die Hauptplatine trägt auf beiden Seiten die Bezeichnung „M-1C 1“. Oben auf der Displayplatine steht „M2-12“ und auf der Unterseite „M2-12A“ sowie „UP-10“. Obwohl der Rechner technisch mit dem einige Monate älteren Feiler 140 identisch ist, unterscheidet sich die Hauptplatine in einem Detail: Wo beim Feiler neben einem Logo „Aug-71“ steht, findet sich im Royal 120 die Beschriftung „hi-pric P31“. In meinem ebenfalls baugleichen und noch etwas jüngeren Royal RC 120 findet man ein anderes Logo sowie die Bezeichnung „UP-13“. Möglicherweise wurde das Ätzen der Platine zu verschiedenen Auftragnehmern „outgesourced“. Die Displayplatine dagegen ist in allen drei Rechnern gleich.

Ähnliche Rechner

Der Royal 120 sowie der baugleiche Feiler 140 und vermutlich auch ein entsprechendes Imperial-Modell gehören zu einer ganzen Reihe 10- und 12-stelliger Rechner, die im gleichen Gehäuse sitzen, wobei es neben beigen auch türkisblaue Varianten gibt. Während der Funktionsumfang zugenommen hat, wurde die Elektronik vereinfacht, so dass spätere Modelle z.B. keine separate Displayplatine mehr benötigen.

Die Zahl der Typenbezeichnungen scheint dabei deutlich über der der tatsächlich unterschiedlichen Rechnermodelle zu liegen. Wie bereits erwähnt, sind Royal 120, Royal RC 120 und Feiler 140 baugleich, und um die Verwirrung zu steigern, gibt es auch einen Feiler RC 120, der zumindest äußerlich dem Feiler 140 gleicht. Möglicherweise wurden diese Bezeichnungen mit der Zeit verändert, oder sie hängen davon ab, in welchem Land die Rechner angeboten wurden.

Eine vermutlich noch unvollständige Übersicht bieten die Seiten von Serge Devidts, die unten verlinkt sind.

Der einzige mir bekannte Rechner in diesem Gehäuse, der nicht zu einer Litton-Marke gehört, ist der ISE ICQL 120, der auch im Inneren baugleich mit dem Royal 120 ist. Es ist der einzige ISE-Rechner, der in den sonst sehr umfangreichen Rechnergalerien von Serge Devidts enthalten ist. Bemerkenswert ist, dass sich das ISE-Logo auch auf den Platinen des Royal RCP 1201K, des RC 126MK und beider Versionen des RC 121K findet.

Hersteller

Wer den Royal 120 und seine Verwandten gebaut hat, war mir zunächst ein Rätsel, denn aus dem Innenleben des Feiler 140, meinem ersten Rechner dieser Serie, ging es nicht hervor. Sicher war nur, dass es weder Omron noch General war, zwei Hersteller, die fast alle Triumph-Adler Rechner dieser Epoche gebaut haben und zumindest ab Mitte der 1970er Jahre auch einige Imperial- und Royal-Rechner. Litton, der Mutterkonzern von Feiler, Royal, Imperial und auch Triumph-Adler, hat also noch bei mindestens einem weiteren Unternehmen eingekauft.

Wegen starken Ähnlichkeiten zwischen meinem Feiler 140 und dem im gleichen Grünblau gehaltenen Colex 1200 (2) bin ich eine Zeitlang davon ausgegangen, dass Colex der Hersteller ist, aber wie tiefer gehende Untersuchungen gezeigt haben, ist der eigentliche Hersteller TEAL (Tokyo Electronic Application Laboratory). Das ergibt sich nicht nur aus offensichtlichen Ähnlichkeiten zwischen einigen frühen TEAL-Rechnern und frühen Royal- und Colex-Rechnern, sondern auch aus einer Reihe anderer Indizien (siehe Litton, Colex und TEAL).

Galerie

Eigenes Exemplar

  • Inv.-Nr. 462, Seriennummer 1Y74703, Baujahr 1971, Zustand: funktionsfähig

Externe Links

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