Privileg E2071

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Privileg E2071

Die Privileg E2071 (Best.-Nr. 09935) ist eine elektromechanische Addiermaschine. Die Kapazität beträgt 7 Stellen bei der Eingabe und 8 im Ergebnis. Im Quelle-Katalog von 1972 war der Rechner für 198,- DM angeboten.

Für eine mechanische Rechenmaschine wirkt die E2071 relativ modern; man muss schon etwas genauer hinsehen, um sie von einer druckenden elektronischen Maschine zu unterscheiden. Neben dem Stellenzeiger verraten jedoch die relativ große Bauhöhe und das Fehlen von Multiplikations- und Divisionstaste das mechanische Innenleben.

Verglichen mit zeitgenössischen Olympia-Addiermaschinen wie der AM 209 wirkt die E2071 ausgesprochen kompakt und schlank, und das Gewicht hält sich mit ca. 3,5 kg in angenehmen Grenzen. Sie fühlt sich jedoch auch etwas billiger an; eine etwas störende Eigenart ist z.B., dass der Ausdruck umso schwächer wird, je mehr Ziffern gleichzeitig gedruckt werden.

Mein Exemplar sieht innen aus wie neu und wurde offensichtlich nie ernsthaft eingesetzt. Möglicherweise ist die Maschine in der Zeit zwischen Einkaufen und Auspacken schon von der elektronischen Realität überholt worden.

Technik

Die E2071 ist relativ einfach aufgebaut. Das Rechenwerk kann nicht unter Null rechnen, und der Druck ist nur einfarbig. Als kleines Extra ist es jedoch möglich, Hinweiszahlen zu drucken (über die [≠]-Taste, die den [#]-Tasten an moderneren Rechnern entspricht). Mit der [R]-Taste ist auch eine Repetierautomatik für manuelle Multiplikationen durch Wiederholung vorhanden. Die [C]-Taste setzt das Eingabewerk zurück, ist also als [CE]-Taste zu verstehen. Sie dient aber auch zum Ausschalten des Repetiermodus. Die übrigen Tasten machen das, was man auch von einer elektronischen Maschine erwarten würde.

Anders als bei meinen mechanischen Olympia-Rechnern erfolgt der Ausdruck nicht über an Zahnstangen befestigten Typen, die nach oben geschoben werden und schließlich per Federkraft auf das Papier schnellen, sondern über Typenscheiben, die um eine Welle gedreht werden. Der eigentliche Druckvorgang besteht darin, dass die Papierwalze (inklusive Handrad!) nach vorne auf die Typenscheiben gedrückt wird. Da die Kraft dabei immer gleich ist, entsteht der oben erwähnte ungleichmäßige Ausdruck.

Entfernt ähnelt dieses Druckprinzip dem der Abwälzdrucker. Es gibt neun Typenscheiben, von denen die rechte für die Sonder- und Operatorzeichen zuständig ist. Übrigens druckt die E2071 bei mehr als zweistelligen Werten immer ein Komma vor der zweiten Stelle von rechts und, wenn nötig, auch einen Tausenderpunkt. Außerdem wird bei einstelligen Eingaben bzw. Ergebnissen eine 0 an die zweitletzte Stelle gedruckt.

Der Rahmen der Maschine hat Platz für mindestens drei weitere Stellen; es hat also sehr wahrscheinlich auch Versionen mit einer entsprechend höheren Kapazität gegeben.

Der Antriebsmotor befindet sich hinten rechts und ist über ein zweistufiges Zahnradvorgelege mit der Hauptwelle verbunden. Ein alterungsempfindlicher Treibriemen, wie ihn viele Olympia-Rechner haben, ist hier also nicht vorhanden. Wie bei den elektromechanischen Olympia-Rechnern gibt es keinen Netzschalter; die Maschine ist also in dem Moment "scharf", in dem sie eingesteckt wird. Da es keinen Trafo gibt, verbraucht sie im Ruhezustand aber keinen Strom.

Verwandtschaft

Die Privileg E210 (Best.-Nr. 09939) sieht äußerlich gleich aus und ist die 10/11-stellige Version der E2071. Warum letztere E2071 heißt und nicht E207, ist mir nicht bekannt. Möglicherweise hängt es damit zusammen, dass die E210 unter null rechnen kann, die E2071 jedoch nicht. Weitere Varianten, die diese Frage klären könnten, hat es laut Katalog nicht gegeben.

Die E2071 wurde in Japan gebaut. Direkte Hinweise auf einen Hersteller sind nicht vorhanden, allerdings bin ich im "Rechnerlexikon" (siehe externe Links) auf die von Neckermann vertriebene Addifix 510 S gestoßen, die offensichtlich eng mit den Privileg-Maschinen verwandt ist; insbesondere ist die Tastatur identisch. Das gilt auch für die Addifix 507, die sich von der 510 S möglicherweise nur in der Stellenzahl unterscheidet, und eine Maschine der Marke Blauring, deren Typenbezeichnung mir nicht bekannt ist.

Der Hersteller all dieser Maschinen ist die Eiko Business Machine Co. Ltd., bekannt unter dem Markennamen Unitrex. Eine optisch mit dem E2071 fast identische Maschine, die allerdings eine Stelle mehr zu haben scheint, ist die Unitrex E2082.

Die wahrscheinlich direkten Nachfolgemodelle dieser Rechnerfamilie sind bereits elektronisch, z.B. der Privileg 8 PPS oder der Unitrex 12 PPS. Sie weisen interessanterweise noch einige Gemeinsamkeiten mit den mechanischen Rechnern auf, und wie bei diesen ist das Druckwerk untrennbarer Bestandteil der Gesamtkonstruktion. 220V-Elektromotor und Vorgelege sitzen bei den mechanischen und elektronischen Rechnern an der gleichen Stelle und sehen auch sehr ähnlich aus, und auch die Tastaturplatte aus Metall einschließlich ihrer Befestigung am Rahmen ist im Prinzip gleich. Bemerkenswerterweise sind die mechanischen Rechner ungefähr 500 g leichter als ihre elektronischen Nachfolger!

Galerie

Eigenes Exemplar

  • Inv.Nr. 2461, Seriennummer E37C25823, Zustand: funktionsfähig, für das Alter sehr gut, im Inneren wie unbenutzt

Externe Links

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